«Fein! Mach nur so weiter», rieten sie, und er in seinem Eifer merkte noch gar nicht, daß sie es mit ihm nicht ehrlich meinten. Er schlug vor: «Wir wollen uns wieder wie damals verkleiden, Bischofsmützen aufsetzen und auf Eseln reiten.»

Zum Schein gingen sie darauf ein, verrieten ihn aber den geistlichen Lehrern, und das nächste Mal bekam er Schläge, bis er sich in die Kapelle mitnehmen ließ. Hierbei blieb es vorerst, denn er wurde krank, weil er es sich gewünscht hatte und es sein wollte.

An seinem Bett saß während dieser Zeit ein Mann, der einzige, den seine Mutter bei ihm zurückgelassen hatte. Dieser Beauvois hatte es eilig, zu den Feinden seiner Herrin überzugehen, und Henri bemerkte, daß er die Peitschenhiebe, die er bekam, nicht nur seinen Freunden, den jungen Prinzen verdankte; auch der Spion verriet ihn.

«Gehen Sie fort, Beauvois, ich will Sie nicht sehen!»

«Wollen Sie auch einen Brief Ihrer Mutter, der Königin, nicht lesen?»

Da erfuhr der Knabe zu seinem großen Erstaunen, daß seine liebe Mutter den Verräter ihres Dankes und ihrer Zufriedenheit versicherte, weil er ihr alles berichtete, was hier geschah. «Bestärken Sie meinen Sohn in seinem Widerstand und erhalten Sie ihn bei der Religion! Sie tun recht, daß Sie ihn manchmal dem Rektor anzeigen, so daß er die Peitsche bekommt. Dies Opfer muß er bringen, nur dadurch können Sie in seiner Nähe bleiben, und ich kann durch Sie meinen lieben Sohn wissen lassen, was ich unternehme.»

Hierauf folgte noch vieles, aber Henri mußte sich zuerst den Mann neben seinem Bett ansehen; er meinte etwas Ähnlichem nie begegnet zu sein, dabei saß dort nur ein ziemlich beleibter Herr mit breitem Gesicht und eingedrückter Nase. Man erkannte auch, daß er viel trank; etwas Besonderes hätte Henri bei ihm nicht vermutet. Jetzt enthüllte er sich voll von Schlichen, ein krummes Wesen, obwohl so bieder anzusehen, und doch ein treuer Diener!

Der Herr von Beauvois las in der Miene des Prinzen von Navarra besser, als dieser in der seinen. Er sagte mit milder Stimme, während seine glanzlosen Augen sich belebten:

«Es ist nicht nötig, allen zu sagen, wer man ist.»

«Und das wissen Sie wohl selbst nicht», erwiderte ganz schnell der Achtjährige.