Denn er hielt es jetzt schon für die Regel, daß man log und ihm Fallen stellte.

«Erzähle mal, wie es zuging!»

Zweifelnd hörte er die Geschichte von dem Laufgraben, wohin der König sich sein Essen bringen ließ. Der Page, der ihm einschenkte, war schon von einem Geschoß verwundet worden. Einen Hauptmann gleich daneben traf ein anderes tödlich, der stand ungedeckt und verrichtete sein Bedürfnis. Stellt der König sich auf denselben Fleck! Wie sollte es anders kommen? Noch eine Kugel schlug dort ein, und das war, als der König pißte.

Hier ließ endlich Henri seine Tränen fließen. Er hatte die Wahrheit erkannt an dem unbesorgten Mut seines Vaters. Ihn brannte der Schmerz, daß er selbst hatte fern sein müssen, nicht hatte teilhaben dürfen an der Schlacht und der Gefahr, wie dieser Diener, den sein Vater geliebt hatte.

«Raphael!» schrie er ihn an. «Liebte der König mich?»

«Als er seiner Verwundung erlag, es war auf dem Schiff, das ihn nach Paris führen sollte —»

«Wer war bei ihm? Ich will es wissen!»

Der Diener antwortete nicht. Die Geliebte, in deren Armen Antoine gestorben war, verschwieg er.

«Ich war mit ihm allein», versicherte er. «Als mein Herr das Ende kommen fühlte, neun Uhr abends, faßte er mir in den Bart und sagte: Dien meinem Sohne gut, und mög er gut dem König dienen!»

Henri sah dies vor sich, daher hörte er auf zu weinen und griff selbst in den Bart des Mannes. Er fühlte, daß es nichts Schöneres geben könnte, als so brav wie sein Vater Antoine zu sterben für den König von Frankreich.