Ausserdem aber drangen nun in jenen Tagen Gerüchte und Voransagen auf ihn ein; es war unmöglich, zu vergessen, was damals geschah. Wo der Prinz von Navarra immer hinkam mit seinen protestantischen Begleitern, begrüßten die von der Religion ihn mit ungewohnter Heimlichkeit und bestürzten Gesichtern.
«Reisen Sie nicht weiter, Herr. Bleiben Sie in unserer Mitte, wir werden eher alle sterben, als daß wir Sie unseren Feinden überlassen.» Ähnliches hörte er überall.
Ein weißhaariger Hugenotte, der sich von seinen Enkeln hatte herbeitragen lassen, erhob seine zitternde Hand zum Segen und sprach aus tiefer alter Brust:
«Ich lobe Gott, daß ich Sie gesehen habe. Nachdem wir alle ausgerottet sind, werden Sie, Herr, uns rächen und die Religion zum Siege führen.»
Dann folgten von allen Seiten die bekannten Beschwörungen, er möge sich der Weiterreise um des Himmels willen entziehen.
Nachher erwiderte Beauvois auf die Fragen Henris:
«Lassen Sie sich nicht erschrecken! Mögen diese Leute sich fürchten; das wird sie eifriger im Glauben machen. Sie sehen das Schlimmste voraus, weil die Königinmutter nächstens mit den Spaniern zusammenkommen soll. Wir aber kennen doch Madame Catherine. Die List liegt ihr näher als ein großes Gemetzel.»
«Wenn aber der Teufel aus Spanien es ihr befiehlt?» bemerkte Henri, ohne auch nur eine Antwort zu erwarten, so gewiß war er der habsburgischen Todfeindschaft und sollte es immer bleiben.
Beauvois versuchte dem Knaben zu erklären, daß Katharina vielleicht nichts weiter vorhabe, als sich vor der katholischen Weltmacht zu rechtfertigen, dafür, daß sie ihren eigenen Protestanten nicht immer nur Heere entgegenschickte, sondern sie manchmal durch Nachgiebigkeit zu fangen versuchte. Im schlimmsten Fall konnte sie Philipp um Hilfe bitten, weil ihre reformierten Untertanen nicht anders zu bändigen waren.
Umsonst, Erwägungen drangen nicht bis in das Innere Henris, seine Phantasie erfüllte es ganz mit Bildern. Sie wurde in ununterbrochener Bewegung erhalten durch das Geraune um ihn her, die Mienen der Sorge und die ahnungsvollen Stimmen, die seine Reise begleiteten. Am Ziel — mußte eintreten, wessen er voll war. Er wußte nicht was, aber das Unbekannte stand bevor, und kam es nicht wirklich, dann war er dennoch bereit, es zu sehen und zu hören.