«Achtung!» flüsterten sie. «Es ist der König von Frankreich.»

Jetzt hielten die beiden Gesellschaften voreinander an, der junge König stand gegenüber dem kleinen Prinzen von Navarra. Er bewegte sich nicht mehr, sondern wartete auf Henri. Der ließ sich Zeit, ihn zu betrachten. Karl der Neunte hatte nicht nur das weiße Barett, er war ganz und gar in Weiß. Seinen Hals umschloß eine weiße Krause, das Gesicht ruhte darauf, er hielt es halb abgewendet, sein Blick kam von der Seite. Schlau und traurig schien er zu sagen: ‹Dich kenne ich schon. Es ist schlimm genug, daß ich euch alle kennen muß.›

Henri fühlte sich lustig werden, zum erstenmal, seit er hier war. Er hätte laut aufgelacht, aber hinter ihm raunten sie nochmals: «Achtung!» Da warf der Siebenjährige sich vor dem Zwölfjährigen zuerst in die Brust, dann neigte er den Rumpf bis auf die Füße und streifte mit der rechten Hand im Halbkreis über den Boden. Er wiederholte diese Übung zu beiden Seiten des Königs und endlich sogar in seinem Rücken, mehrere der Herren lächelten darüber. Anders Larchant, der Edelmann aus dem Gefolge Jeannes; er ließ sich vor Karl auf ein Knie nieder und erklärte: «Sire! Der Prinz von Navarra hat noch keinen großen König gesehen.»

«Er selbst wird nie einer werden», sagte Karl, ließ die Worte vor sich hinfallen und schloß sogleich wieder fest den Mund unter seiner fleischigen Nase. Jetzt wurde Henri zornig; seine sanften und freundlichen Augen fingen zu blitzen an, er rief: «Das lassen Sie nicht meine Mutter hören, und auch Ihre nicht, die statt Ihrer regiert!»

Es waren etwas zu geringschätzige Worte, als daß ein König sie hätte hören dürfen; die Herren hinter Karl dem Neunten erschraken. Er selbst schloß nur die Augen; in diesem Augenblick merkte er sich etwas für immer.

Henri hatte sich sogleich beruhigt, unbefangen richtete er das Wort an die beiden anderen Knaben. «Na, und ihr?» fragte er ermunternd, denn sie erschienen ihm merkwürdig verlegen. Es kam daher, daß er noch keine vornehme Erziehung kannte.

«Ich werde Monsieur genannt», sagte der erste der beiden Kleinen, er stand im gleichen Alter wie Henri. «Es ist mein Titel, weil ich der älteste unter den Brüdern des Königs bin.»

«Ich heiße einfach Henri.»

«Ach! Ich auch», rief Monsieur lebhaft wie ein Kind, und beide musterten einander aufmerksam.

«Habt ihr keine Melonen?» fragte Henri, um gleich ans Ziel zu kommen. Der jüngste der königlichen Brüder lachte hierüber wie bei einem Witz. Man hätte erkennen müssen, daß die kleine Gestalt nur selten laut und glücklich war.