Sie drehte sich artig zu dem Jungen:
— Weil meine Brüder nicht kommen werden, mußt du mich töten, mein kleiner Blaubart, mich stark, stark töten!
Sie kniete hin. Er packte ihr Haar und legte es nach vorn; dann hob er die Hand.
Langsam, mit geschlossenen Augen und zitternden Lidern, die Mundwinkel von einem nervösen Lächeln bewegt, hielt sie den Flaum ihres Nackens und den Hals und ihre wollüstig eingezogenen Schultern dem grausamen Streich von Blaubarts Säbel hin.
— Oh . . . Au! schrie sie, das wird mir weh tun!
Die Perverse
Madge!
Die Stimme stieg durch eine viereckige Öffnung des Fußbodens herauf. Das runde Dach durchquerte ein mächtiger glatter Eichstamm, der sich mit Geknarr drehte. Der große Flügel aus grauem Tuch, das an das Holzskelett genagelt war, flog draußen vor der Dachluke im Sonnenstaub. Grade darunter schien es, als ob zwei steinerne Tiere nach allen Regeln miteinander kämpften, während die ganze Mühle schnaufte und im Grunde zitterte. Alle fünf Sekunden durchschnitt ein langer gerader Schatten den kleinen Raum. Die Leiter, die bis ins Dachinnere hinaufreichte, war ganz weiß von Mehl.
— Madge, kommst du? ließ sich die Stimme von unten wieder vernehmen. Madge hatte ihre Hand auf die eichene Radachse gelegt. Das fortwährende Reiben kitzelte ihr die Haut. Etwas vorgebeugt sah sie in das flache Land hinaus. Der Hügel, auf dem die Mühle stand, hob sich darin wie ein geschorener Kopf in die Höh. Die Flügel berührten im Drehen fast das kurze Gras, auf dem sich ihre Schatten verfolgten, ohne sich je zu erreichen. So mancher Esel schien sich an der kaum beworfenen Mauer den Rücken gerieben zu haben, denn der abgefallene Verputz zeigte die grauen Flecken der Steine. Vom Fuß des Hügelchens lief ein kleiner Pfad, den eine ausgetrocknete Wagenspur furchte, bis hinab zu einem weiten Weiher, in den rote Blätter tauchten.
— Madge, wir gehen! rief die Stimme wieder.