Man konnte nicht sehen, ob das grüne Mädchen verstanden hatte. »Vielleicht hat sie Hunger«, sagte er. Und reichte ihr das Brot und den Krug. Sie drehte das Brot in den Händen und warf es auf die Erde; sie schüttelte den Krug und horchte auf das Geräusch, das der Wein da machte.
Bûchette bat ihren Vater, er möchte doch das arme Geschöpf nicht nachts im Walde lassen. Die Holzkohlen verglimmten eine um die andere in der Dämmerung, und das grüne Mädchen sah zitternd in das Feuer. Als sie das kleine Haus betrat, floh sie vor dem Licht. Sie konnte sich nicht an die Flammen gewöhnen, und jedesmal, wenn man eine Kerze anzündete, stieß sie einen Schrei aus.
Als Bûchettes Mutter die Kleine sah, machte sie ein Kreuz: »Gott, steh mir bei, wenn das ein Teufel ist; aber ein Christenmensch ist es nicht.«
Das grüne Mädchen wollte weder Brot noch Wein noch Salz berühren, woraus klar schien, daß sie weder die Taufe noch das Abendmahl empfangen haben konnte. Man verständigte den Pfarrer, und er trat gerade über die Schwelle, als Bûchette der Kleinen grüne Schoten anbot.
Sie schien darüber sehr erfreut und machte sich gleich daran, die Stengel mit ihren Fingernägeln zu spalten, denn sie dachte, es seien darin die Bohnen. Enttäuscht wollte sie schon weinen, als Bûchette ihr eine Schote aufmachte. Dann knabberte sie an den Bohnen und schaute den Priester an.
Obschon man auch den Schullehrer kommen ließ, konnte man ihr kein menschliches Wort verständlich machen, noch einen deutlichen Laut von ihr hören. Sie weinte, lachte oder stieß Schreie aus.
Der Pfarrer untersuchte sie sehr genau, konnte jedoch an ihrem Körper kein höllisches Zeichen entdecken. Am nächsten Sonntag führte man sie in die Kirche, wo sie gar keine Unruhe zeigte; sie jammerte nur, als man sie mit Weihwasser naß machte. Aber sie fuhr nicht vor dem Bild des Kreuzes zurück und schien betrübt, als sie ihre Hände auf die heiligen Male und die Risse der Dornen legte.
Die Leute im Dorf waren alle sehr neugierig geworden; einige hatten Angst vor ihr; und trotz der Meinung des Pfarrers sprach man von ihr als der ›grünen Teufelin‹.
Sie nährte sich nur von Körnern und Früchten; und jedesmal wenn man ihr eine Hülsenfrucht oder einen Zweig gab, brach sie den Stengel oder das Holz auf und weinte vor Enttäuschung. Bûchette gelang es nicht, ihr beizubringen, wo sie die Körner oder die Kirschen suchen sollte, und ihre Enttäuschung war immer dieselbe.
Durch Nachahmen lernte sie bald Holz und Wasser tragen, kehren, putzen und sogar nähen, wenn sie das Leinen auch mit einem gewissen Widerwillen berührte. Doch nie konnte sie sich dazu verstehen, Feuer anzumachen oder sich auch nur dem Herd zu nähern.