Bûchette war groß geworden, und ihre Eltern wollten sie in Dienst schicken. Das machte ihr Kummer, und nachts weinte sie leise unter der Bettdecke. Das grüne Mädchen sah voll Mitleiden auf seine kleine Freundin. Am Morgen schaute sie fest in Bûchettes Augen, und ihre eigenen füllten sich mit Tränen. Und des Nachts fühlte die weinende Bûchette eine weiche Hand, die ihr das Haar streichelte, und einen kühlen Mund auf ihren Wangen.

Die Zeit kam, da Bûchette ihren Dienstplatz antreten sollte. Sie schluchzte jetzt fast eben so erbärmlich wie das grüne Geschöpf damals, an dem Tage, als man sie verlassen vor der Wolfsrachenhöhle fand.

Und am letzten Abend, als die Eltern Bûchettes schliefen, strich das grüne Mädchen der Weinenden über das Haar und nahm sie bei der Hand. Sie öffnete die Tür und streckte den Arm in die Nacht. Und wie Bûchette sie einst zu den Häusern der Menschen gebracht hatte, so führte sie sie nun an der Hand in die unbekannte Freiheit.

Die Getreue

Jeanies Geliebter war Matrose geworden, und sie war nun allein, ganz allein. Sie schrieb einen Brief und siegelte ihn mit ihrem kleinen Finger und warf ihn in den Fluß, zwischen die langen roten Gräser. So würde er bis in den Ozean kommen. Jeanie konnte ja nicht wirklich schreiben; aber ihr Geliebter würde ihn schon verstehen, denn es war ein Brief der Liebe. Und sie wartete lange auf die Antwort, die vom Meere kommen sollte; und die Antwort kam nicht. Es war wohl kein Fluß von ihm bis zu Jeanie.

Und eines Tages ging Jeanie fort auf die Suche nach ihrem Geliebten. Sie schaute auf die Wasserblumen und ihre gebogenen Stiele; und alle Blumen neigten sich gegen sie. Und Jeanie sprach im Gehen: »Auf dem Meere ist ein Schiff — auf dem Schiff ist ein Zimmer — in dem Zimmer ist ein Käfig — in dem Käfig ist ein Vogel — im Vogel ist ein Herz — im Herz ist ein Brief — in dem Brief steht geschrieben: Ich liebe Jeanie. — Ich liebe Jeanie ist in dem Brief, der Brief ist im Herz, das Herz ist im Vogel, der Vogel ist im Käfig, der Käfig ist im Zimmer, das Zimmer ist im Schiff, das Schiff ist sehr weit auf dem großen Meer.«

Und da Jeanie keine Furcht vor den Menschen hatte, gaben ihr die mehlbestäubten Müller Brot, wenn sie sie kommen sahen, einfach und arglos und mit dem goldenen Reif am Finger, und erlaubten ihr, mit einem weißen Kuß, bei den Mehlsäcken zu schlafen.

So durchzog sie ihr Land der fahlroten Felsen und die tiefen Wälder und die flachen Wiesen, die in der Nähe der Städte um die Flüsse sich dehnten. Viele von denen, die Jeanie beherbergten, gaben ihr Küsse; aber sie gab sie nie zurück — denn die treulosen Küsse der Geliebten lassen ein rotes Blutmal auf ihren Wangen.

Sie kam in die Seestadt, wo sich ihr Geliebter eingeschifft hatte. Am Hafen suchte sie den Namen seines Schiffes, aber sie konnte ihn nicht finden, denn das Schiff mußte in das Meer von Amerika geschickt worden sein, dachte Jeanie.

Schiefe dunkle Gassen führten von der Stadt an die Quais hinunter. Manche waren gepflastert, mit einer Gosse in der Mitte; andere waren nur schmale Treppen aus alten Fliesen.