Das Geräusch der Räder kam näher. Man hörte Pferdewiehern und undeutliche Stimmen von Menschen.

— Horch, Katze, sagte Cice. Horch. Dort kommt ein großer Wagen! Das ist sein Wagen! Mein Prinz kommt! Schnell, schnell, er ruft mich!

Ein Schuh aus goldfarbnem Leder flog über die Johannisbeersträucher mitten unter die Melonen.

Cice lief an den Weidenzaun und öffnete.

Ein langer dunkler Wagen kam schwerfällig heran. Der Zweispitz des Kutschers leuchtete in einem roten Licht. Zwei schwarze Männer gingen an jeder Seite der Pferde. Der hintere Teil des Wagens war niedrig und länglich wie ein Sarg. Ein fader Geruch schwamm im Morgenwind.

Aber Cice verstand nichts von all dem. Sie sah nur eines: der wunderbare Wagen war da. Und der Kutscher des Prinzen hatte Gold im Haar. Der schwere Koffer war voll mit Brautgeschenken. Das schreckliche und herrische Parfüm umschloß sie wie ein Königsmantel.

Und Cice streckte die Arme weit aus und rief:

— Mein Prinz, nimm mich mit, nimm mich mit!

Die Gefühllose

Die Prinzessin Morgane liebte niemanden. Sie hatte eine kalte Keuschheit und lebte unter den Blumen und den Spiegeln. Sie heftete rote Rosen in ihr Haar und betrachtete sich. Sie sah kein junges Mädchen und keinen jungen Mann, denn in allen Blicken, die man ihr gab, sah sie nur sich. Und sie kannte nicht die Grausamkeit und nicht die Wollust. Ihre schwarzen Haare fielen um ihr Gesicht wie langsame Wellen. Es verlangte sie, sich selbst zu lieben: aber das Bild in den Spiegeln hatte eine stille und ferne Kälte, und das Bild in den Teichen war trüb und bleich, und das Bild in den Flüssen zitterte und zerfloß.