Daß sie den schwierigen Namen nicht vergäße, hatte sie drei Knoten in ihr Strumpfband gemacht. An einem Mittag, weit war sie schon seit dem Morgen gegangen, kam sie auf einen gelben gewundenen Weg, der führte an einem blauen Kanal lang. Und wo sich der Kanal mit der Straße traf, da war eine grüne Böschung.
Da begegnete ihr ein kleiner Junge mit absonderlich geschlitzten Augen, der zog eine schwere Barke den Kanal hinauf. Sie wollte ihn fragen, ob er die Königin gesehen, aber da ward sie mit Schrecken inne, daß sie den Namen vergessen hatte. Da klagte sie und weinte und betastete ihr Strumpfband — umsonst. Und sie schrie stärker, als sie sah, daß sie auf dem dreifarbnen Wege ginge, aus gelbem Staub, blauem Wasser und grüner Böschung. Und von neuem betastete sie die drei Knoten, die sie geknüpft hatte, und schluchzte. Und der kleine Junge, der sah, daß sie litt, und ihren Schmerz nicht verstand, brach vom Wegrand der gelben Straße ein armseliges Kraut und gab es ihr in die Hand.
— Die Mandosiane heilt, sagte er.
So fand Lilly ihre in Grün gekleidete Königin.
Vorsichtig drückte sie sie an sich und ging den weiten Weg zurück. Aber die Heimreise war noch langsamer als die andre, denn Lilly war müde. Es kam ihr vor, als sei sie seit Jahren unterwegs. Aber sie war voll Freuden, denn sie wußte, daß sie die arme Nan heilen könne.
Und sie zog über das Meer, wo die Wellen wie Berge waren. Endlich kam sie in Devonshire an und trug das Kraut zwischen Leib und Hemd. Und zuerst erkannte sie die Bäume nicht wieder; und das Vieh schien ihr verändert. Und in der großen Stube des Bauernhofes sah sie ein altes Weib inmitten von Kindern. Und sie lief hin und fragte nach Nan. Die Alte betrachtete Lilly voll Staunen und sagte:
— Aber Nan ist ja seit langem fort und verheiratet.
— Und geheilt? fragte Lilly voll Freude.
— Geheilt, nun, natürlich, sagte die Alte.
— Und du, bist du nicht Lilly?