Und füllet eure Händchen frei
Mit Aepfeln aus dem Paradies,
Mit feinen Küchlein, honigsüß!
Dann lernt auch wacker, bleibet fromm,
Bis übers Jahr ich wiederkomm';
Bis uns der Heiland allzugleich
Einführt ins goldne Himmelreich!«
Zuerst waren die Kinder sehr zaghaft, so daß keines wagte, sich dem Himmelsboten zu nahen. Endlich faßte der kleine Hans, des Leutpriesters Liebling, ein Herz, trippelte auf den Zehen heran, tat einen scheuen Blick ins holde Engelsangesicht, stopfte schnell zwei Küchlein vorn ins Wämschen, nahm in jede Hand einen Apfel und sprang flugs zurück an seinen Platz. »Fürcht' dich nicht«, flüsterte er seinem Nebenmännlein zu. »'s ist ein braver Engel! Mir ist, als hätt' ich ihn schon einmal im Traum gesehn!« Da wagte es auch der kleine Freund, und damit war der Bann gelöst. Immer noch etwas bange, aber sehr glücklich, zog die ganze Reihe langsam vorüber, um sich das himmlische Geschenk zu holen. Indes waren die Lichtlein an der Krippe verlöscht, und bei sanftem Orgelspiel verließ jung und alt die Kirche.
7. Der Verräter.
»Was einmal recht schön war, wird nimmer wieder so schön.« Dieses Sprichwort traf in bezug auf die Weihnachtsfeier nicht ein, da man im Kirchlein noch zweimal mit lieblichem Gesang das Kindel wiegte, und der Engel noch zweimal süße Gaben austeilte; das letztemal sogar Zuckerkringel, die der Goldschmied aus der Stadt geschickt. Eins der kleinen Mädchen fragte daheim die Mutter, ob wohl das gute Essen dran schuld sei, daß der Weihnachtsengel so gar groß geworden wäre.