»Ja, der Franz, der ist eben alleweil brav«, schloß der kleine Konrad. »Das denk' ich mir langweilig. Na, Kuchen kriegen wir diesmal gewiß soviel wir nur mögen, denn es ist ja unser Annchen, das Hochzeit hält.«

Die kleinen Schelme hatten vergeblich gehofft auf große Gesellschaft, auf Pracht und Glanz, auf herrlichen Gesang und Orgelspiel im Dom und auf seltene Leckerbissen. Ihres Annchens Hochzeit ward ganz still im Hause gefeiert. Aber schön und feierlich war es doch, und die Buben durften, still in der Fensternische stehend, alle dabei sein.

Bald nach dem Weihnachtsfeste, als wohl etwa ein volles Jahr vergangen war seit des Goldschmieds Tode, traten sein Leidensgefährte und sein Töchterlein zusammen an Herrn Burkhardts kleinen Hausaltar. Thomas trug einen neuen, pelzverbrämten Pfarrersrock, so schön und fein, wie er noch nie etwas gehabt; Annchen sah im dunkeln seidenen Gewand und der feinen weißen Spitzenkrause gar lieblich aus. Ihr blondes Haupt war wirklich mit dem frischen Myrtenkränzlein aus Gärtner Fischers Warmhaus geschmückt. Mit gefalteten Händen stand die kleine tiefbewegte Hausgemeinde umher, Franz rührte zart die Laute, und alle stimmten das schlichte, dem Psalm nachgebildete Hochzeitslied Doktor Luthers an:

»Wohl dem, der in Gottesfurcht steht

Und auch auf Seinen Wegen geht!

Dein' eigne Hand dich nähren soll,

So lebst du recht und geht dir wohl!

Dein Weib wird in dein'm Hause sein

Wie ein Reben voll Trauben fein,

Und dein' Kinder um deinen Tisch