Zu aller Freude begannen sich die bleichen Wangen dieses Töchterleins zu röten, ihr Schritt ward elastischer, ihr Gemüt heiterer, und ihr dankbares Herz war bemüht, allen noch so viel Liebe als möglich zu zeigen, ehe sie das Haus verließ.
Daß dies überhaupt geschah, war den Buben nicht ganz recht; doch trösteten sie sich mit der Hoffnung auf ein prächtiges Hochzeitsfest, wo manche Lust und manch guter Bissen für sie abfallen würde.
»Es wird so werden«, erklärte Peter mit großer Bestimmtheit, »wie letztes Jahr, als Bürgermeisters Magdalene den jungen Ratsherrn Langsdorf heiratete. Weißt du noch, wie prächtig die Gasse geschmückt war, die zum Domplatz führt? Kein Steinlein war zu sehen vor bunten Teppichen und gestreuten Blumen.«
»Gibt jetzt keine Blumen«, wandte Konrad ein.
»Doch! Annchen kriegt ein Myrtenkränzlein aus Gärtner Fischers Warmhaus.«
»Das ist gut«, meinte Paul; »und ein Kleid von weißem Atlas, mit Gold gestickt, muß sie auch haben. Sie ist ja viel holder und hübscher als die Magdalene.«
»Ach was!« wandte Peter ein. »Nach dem Weiberstaat schau' ich nit! Aber die wackere Musik, die damals vom Balkon des Rathauses gemacht ward, die mocht' ich leiden! O, Musik hab' ich gar zu gern! Der Herr Vater hat mir zum Christtag eine Laute versprochen.«
»Da geh ich in Stall, wenn du drauf 'rumklimperst«, bemerkte Paul ruhig. »Ich lob' mir das Essen! Magdalenens Bruder hat mich ja in Saal gucken lassen, als die Tafel gedeckt war. O welch eine Pracht! Gefunkelt hat's von Gold, Silber und Edelstein! Und wie roch's in der Küche!«
»Ja«, stimmte Konrad bei, »ich weiß noch! Und gegen den Abend kamen Knecht' heraus mit großen Körben, die warfen süße Küchlein und buntes Zuckerwerk aus unters Volk. Da haben wir wacker mit aufgefangen!«
»Und des andern Tags hat uns der Herr Vater wacker gescholten«, wandte Peter ein. »Er sagt', wir seien Patrizierkinder, und sollten uns schämen, nach Geschenk zu haschen. Den Franz aber hat er gelobt, denn der hatt' so lieblich die Einzelstimme gesungen unter dem Knabenchor, das das schwere Stück ausführte nach der Traupredigt im Dom.«