»Warum zu spät?«
»Ei, es ist neunzehn Jahr, schön, klug und geschickt; auch wird es Herr Burkhardt nicht ohne Mitgift ziehen lassen.«
»Danach frag' ich nicht«, rief Thomas stolz.
»Aber andere tun's, und könnten dir zuvorkommen.«
»Sag' mir nur noch eins. Wie steht's mit Gottfried? Schön, stattlich und vornehm geht er einher. Wie, wenn ihr Herz sich zu ihm neigte?«
»Da sei ganz ruhig! Den hält sie wie einen Bruder; das ist ein ganz ander Ding.«
»Es ist seltsam, wie Frauen das alles bedenken und verstehen«, sprach Thomas und ging nachdenklich davon.
Aber schon am nächsten Abend gab es ein Brautpaar im Hause, zur herzlichen Freude von groß und klein. Des Vaters Segen war schon ein Jahr vorher leise im Gefängnis gesprochen worden; jetzt gaben Herr Burkhardt und sein Weib den ihren dazu.
Allzulanger Brautstand war damals nicht Sitte; darum hoffte Thomas, sein Annchen gleich mit hinaus ins Pfarrhaus nehmen zu können. Doch litt es Frau Burkhardt nicht. »Das liebe Kind ist zart«, sagte sie, »und würde sich erkälten und überanstrengen in dem zugigen Hause, wo Maurer und Zimmerleut' immer noch zu tun haben. Auch laß ich es nicht unbegabt ziehen. Da mir aber Gott erst vor kurzem ein Töchterlein geschenkt hat, sind meine Truhen zwar mit Leinwand wohl gefüllt, doch ist noch nichts verarbeitet. Darum behelft Euch noch eine Zeitlang mit Eurer Schwester, mein guter Herr Pfarrer, und der treue Dietrich geht wohl auch mit.«
Und ob er mitging! Ja, er brachte sogar ganz neues Leben in die Maurer und Anstreicher, die damals schon für langsame Gesellen galten. Und wo's nicht vorwärts ging, half er mit einem Puff nach, legte selbst mit Hand an und tat's allen zuvor. Im Patrizierhaus aber wandelte man zwischen ganzen Gebirgen von schneeweißem Leinen und schimmernder Wolle. Alle weiblichen Hände regten sich emsig, ja etliche arme Näherinnen der Stadt wurden in Dienst genommen, um die mit reichem Schnitzwerk geschmückten, silberbeschlagenen Truhen zu füllen, die Herr Burkhardt seinem Pflegetöchterchen verehrt.