»Ihr tut zuviel«, hatte der bescheidene Mann gesagt. »Meine Schwester und ich sind Bauernkinder und mit allem zufrieden. Zwei saubere Stüblein sind genug für uns.«
»Jetzt wohl«, erwiderte ein alter freundlicher Mann, »aber es soll ja nicht so bleiben! Gott schenk' Euch bald ein treues Ehegemahl und muntere Kinderlein. Die werden das Haus schon füllen!«
Lächelnd wandte er sich ab, da ihm nicht entging, daß heiße Röte das bleiche Antlitz des neuen Pfarrers überzog.
Ach, dieser neue Pfarrer, der so viel erlebt, so tapfer gekämpft und so geduldig gelitten hatte, war, wenn es galt, etwas für sich selbst zu verlangen, der kleine, schüchterne Thomas geblieben, der Trost und Rat bei der Schwester suchte.
»Grete«, sprach er geheimnisvoll, als er sie in ihrem Stübchen aufgesucht, »die Leute draußen sagen, ich solle ein Weib nehmen.«
»Da haben sie recht«, war die Antwort. »Bist ja längst alt genug dazu. Auch fürs Kind ist's besser, wenn es bald weiß, woran es ist.«
»Für welches Kind?« fragte der Bruder.
»Na, fürs Annchen, du Träumer! Hast du denn nicht gemerkt, daß sie dich schon gern hatte, ehe all das Herzeleid über uns kam? Und jetzt wär' ihr wohl das Herz gebrochen, wenn du ihr nicht Trost gebracht hättest. Gelt, du hast sie auch gern?«
»Gern?« rief Thomas in ganz verändertem Ton. »Lieb hab' ich sie, tausendmal mehr als mein Leben! Als sie mir die ersten lateinischen Worte nachsprach, schien sie mir schon ins Herz wie ein helles Lichtlein. Aber damals hielt ich's ja für eine große Sünde und kämpfte es nieder.«
»Nun, so sei jetzt ein Mann«, sprach Grete ernsthaft; »geh bald zu Herrn Burkhardt und bitt' ihn um die Hand des Mägdleins, eh' es zu spät ist.«