»Du«, sprach Paul einst geheimnisvoll zu Peter, »ich denk', der Herr Leutpriester und Annchen haben sich gezankt.«
»Red' nicht so dumm! Große Leut' zanken sich nimmer.«
»Doch! Wenn sie sonst so traurig in der Gartenlaube saß, den Kopf in die Hand gestützt, und immer mit dem Tüchlein die Augen wischte, da hat er sich zu ihr gesetzt und ihr Trost zugeredet. Wenn aber unsereins kam und was von ihr begehrte, war's nicht recht. Jetzt ist's ganz anders! Sie mag nimmer mit ihm allein sein, und macht sich alleweil mit den Kleinen zu schaffen, wenn er kommt.«
»Das macht, weil er ein Pfarrer ist«, entgegnete Peter mit großer Sicherheit. »Die Pfarrer machen sich immer am liebsten an die traurigen Leut'; darum werd' ich auch mein Lebtag keiner.«
»Ich auch nicht«, stimmte Paul bei. »Ich werd' ein Reiter oder ein Fuhrmann. Ein Roß muß ich haben; das ist gewiß!«
»Ich werd' aber ein Schiffer«, rühmte sich Peter. »Dann fahr ich die Elbe hinab und übers Meer; da kannst du mit deinem Roß nimmer hin.«
»Prahlhans du!« rief Paul entrüstet. »Dann sind wir ja nimmer beisammen!«
»'s ist auch wahr! Zusammen müssen wir bleiben, sonst wird's langweilig. Komm, laß uns hinten im Garten einen Turm bauen.«
Der Sommer war vergangen; der Herbst mit seinem frischen Wind, seinem tiefblauen Himmel und milden Sonnenschein färbte auch in Burkhardts Garten die Aepfel und Birnen goldig und rot. Da konnte Dietrich nach Herzenslust auf die Bäume klettern, der jubelnden Kinderschar die Früchte herunterschütteln und die schönsten sorgfältig in Körbe pflücken. Jetzt aber schaute er nimmer sehnsüchtig hinaus in die Welt; dazu hatte er den blassen, ernsten Mann, der fern von den jauchzenden Buben den langen Gartenweg auf und nieder wandelte, viel zu lieb.
Ja, Thomas hatte gar ernste Gedanken; er sollte nun wirklich ein Prediger der evangelischen Lehre werden, für die er so viel gelitten. Er war zum Pfarrer eines großen Dorfes, ein paar Stunden von der Stadt entfernt, berufen. Als er für den alten, kranken, nun sanft entschlafenen Vorgänger einigemal gepredigt, hatten ihn die Leute liebgewonnen, und taten nun ihr möglichstes, das geräumige Pfarrhaus sauber und wohnlich zu machen.