An dem feinen, aber schlichten Festmahl, was darauf stattfand, mußte Dietrich trotz allem Widerstrebens teilnehmen, und zwar in neuer, stattlicher Kleidung. Er hatte sich so lange gesträubt, daß Thomas endlich ungeduldig in den alten Schulton gefallen war und, ihn beim Arm fassend, gesagt hatte:

»Dummer Kerl! Ohne dich wäre ja gar keine Hochzeit! Ich stäk' noch im Loch oder wäre tot, und das Annchen welkte dahin in Sehnsucht und Herzeleid! So ein Bursch, wie du, wird doch sein eigen Werk anschauen können!«

Zuerst dünkte das Tischgespräch den Knaben unten an der Tafel allzu ernst für eine Hochzeit. Als aber die Rede auf des jungen Ehemannes Vergangenheit kam, und er so rührend und ergötzlich erzählte von Muhme Lene, von der Klosterschule und zuletzt vom Fischerdörflein mit seinem lieblichen Weihnachtsfest, da vergaßen sie fast das Essen über dem Zuhören und flüsterten einander zu, schöner könne es auf des Ratsherrn Hochzeit auch nicht gewesen sein.

Nur Konrad hatte ein kleines Bedenken, und vertraute es der Mutter an, als sie an seinem Bettchen knieend mit ihm das Abendgebet gesprochen hatte.

»Sag', Mütterchen, sind wir ebenso reich als der Herr Bürgermeister?«

»Ei, was fragt mein kleiner Bub nach Reichtum?« entgegnete die Mutter lächelnd.

»Für mich nicht«, sprach der Kleine, »nur fürs Annchen! Es ist so viel schöner und holder als Bürgermeisters Lene. Warum habt Ihr nicht eine so prächtige Hochzeit gemacht? Bäckers Friedel sagte, Ihr tätet's nicht, weil sie ein armes Waislein sei. Ist's wahr, Mutter?«

»Nein, mein Kind! Anna ist nicht arm! Sie bringt dem Herrn Thomas viel edlere Güter mit als Gold und Silber. Ein reiches Hochzeitsfest haben wir nicht bereitet, weil Annchens liebe Eltern nicht mehr auf Erden sind. Auch ist jetzt eine schwere, ernste Zeit, und vielleicht sendet Gott bald Krieg und allerlei Unglück. Darum feiert man keine glänzenden Feste. Ihr Kinder versteht noch nichts davon, aber doch sollt ihr zu Gott beten um Frieden und Schutz gegen die Feinde. Falte deine Händchen noch einmal und sprich mir das Verslein nach:

›Verleih' uns Frieden gnädiglich,

HErr Gott, zu unsern Zeiten!