Es ist ja doch kein andrer nicht,
Der für uns könnte streiten,
Denn Du, unser Gott, alleine!‹«
12. Krieg und Frieden.
Ja, die Evangelischen hatten zu jener Zeit wenig Lust, frohe Feste zu feiern. Aus Wittenberg traf immer neue Kunde ein, daß der tapfere Held, der fast dreißig Jahre lang unermüdet für die Wahrheit gekämpft hatte, nun alt und müde ward. Ach, eine schwere Sorge lastete auf seinem treuen Herzen! »Krieg um des Glaubens willen!« Dieser Gedanke war ihm stets furchtbar gewesen. Nur eine einzige Waffe sollten seine Anhänger führen: das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes! Bisher war es gelungen! Während die Gegner das Blut der Märtyrer in Strömen vergossen, hatte noch kein Protestant das Schwert erhoben zur Verteidigung seines Glaubens. Freilich waren schon im Jahre 1531 einige evangelische Fürsten zum sogenannten Schmalkaldischen Bunde zusammengetreten und hatten gelobt, »alle für einen und einer für alle« zu stehen im Fall der Not.
Schon längst hatte der Papst dem Kaiser vorgeworfen, daß er wohl gegen auswärtige Feinde, ja gegen Türken und Seeräuber kämpfe, aber im deutschen Reich der Ketzerei freien Lauf lasse. Aber der Kaiser hatte immer noch den Wunsch und die Hoffnung, in seinem ganzen Reiche eine Reformation an Haupt und Gliedern vornehmen zu lassen, und hoffte das durch Konzilien und Kirchenversammlungen zustande zu bringen. Da aber der Papst fest auf seinen Irrtümern, die Evangelischen dagegen fest auf der Wahrheit bestanden, wurden alle diese Pläne vereitelt.
Da schloß Karl V. endlich mit seinen ausländischen Feinden Frieden, ließ die Streitigkeiten mit dem Papst ruhen und verband sich mit ihm gegen die Protestanten.
Ja, wohin man schaute, drohte Gefahr; darum war das Verslein, das Frau Burkhardt ihren kleinen Sohn lehrte, gar sehr an der Zeit. Für das Heil der Kirche zu beten, hielt ja auch Luther für die Pflicht und Aufgabe der Frauen und Kinder.
Das Sprechen und Urteilen über geistliche und weltliche Streitigkeiten blieb jedoch zu jener Zeit fast ganz den Männern überlassen. So bestürmten auch Frau Burkhardt und Anna ihre Männer nicht mit Fragen, wie wohl alles stehe und werden würde, sondern begnügten sich damit, ihnen die Heimat so traut und behaglich zu machen als möglich, damit sie an Leib und Seele ausruhen konnten von Sorge und Arbeit.
In gutem Frieden führten Annchen und Grete des Leutpriesters Haushalt. Doch nein, er hieß ja jetzt Herr Pfarrer Brandt, und freute sich kindlich, den ehrlichen Vatersnamen wieder tragen zu dürfen, den er seit seiner Klosterzeit kaum mehr gehört. Grete besaß ein eigenes Stübchen, so behaglich eingerichtet, daß sie sich nach der Arbeit gern dahin zurückzog. Thomas klagte zwar, die Schwester reiße jedesmal aus, wenn er das Wohngemach betrete, doch ließ sie sich nicht stören. »Junge Leut' wollen auch einmal für sich sein«, sagte sie zu dem schneeweißen Kätzchen, das ihr schnurrend entgegenkam, »und meinen Beinen tut's wohl, wenn ich sie auf dem wackeren Ruhebettlein ausstrecken kann, das mir Herr Burkhardt verehrt.«