Wer sind die alle, die sie nicht lieben darf – Diese Holzpuppen, die es wagen ihr Schuhe zu machen und Gesetze zu geben. Die nach Schweiß stinken und Bier. Sie sucht den einen.
Sie will die alle ja gar nicht kennen, die da gierig an ihr vorbeilaufen. Sie weiß so schmerzhaft gut, was sie suchen, was sie niemals finden. Warum weiß sie es so gut. Sie will es gar nicht wissen. Will zu dem einen.
Unverständige Kinder dulden stumm die Schmerzen der Eltern mit. Und heben, aufgewachsen, die Hand gegen ihre Erzeuger. Spitze Tiermäuler saugen die Menschenliebe von den Mittagstischen. Und Krieg liegt in den nahen Grenzen.
Warum weiß sie das. Sie geht nur zu dem einen. Der weiß es auch.
Die grauen Leintücher werden immer dichter. Man sollte die kantigen Häuser untergraben, sprengen, daß alles Geschirr aus den Fenstern stäubt, die blumigen Suppenschüsseln, die blauen Kochtöpfe. O, wie sie lachen wird. Mutter schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Aber Thomas hätte auch gelacht. Die Grundmauern der Häusermassen sind lange nicht so fest wie die beschmutzten Ecksteine. Aber was braucht sie das zu wissen. Sie geht zu dem einen. Er soll es wissen.
Man darf nicht warten bis die Häuser einfallen. Die große Fackel muß man nehmen, Thomas’ Fackel. Die liegt bereit, nicht weit weg. Lichtzüngelnde Flammen sollen die grauen Leintücher zerfetzen. Hoch hinauf, das muß geschehen. Sie weiß es. Nein, sie wird es nicht lange mehr wissen. Sie läuft hin zu dem einen. Er soll es wissen.
Da steht sie vor seinem Haus. Seine Fenster sind dunkel. Viel dunkler als die verschwommene Straße. Und ganz leer.
Er ist also auch heraußen. Vielleicht geht er sogar hinter ihr, neben ihr. Sie kann nur den Kopf nicht wenden. Weil sie immer weiter gehen muß, geradeaus.
Ihre Hände sind heute schwer und voll und weich und weiß. Die Schultern legen sich nach rückwärts, künstlich steif. Eine lichtbraune Locke, die gerne zigeunerhaft sein möchte, hängt in die Stirne.
Wie jung der Winterfrühling ist. Und wie alt die Einsamkeit. Wohin gehen, wenn das Zimmer nur voll ist von einem selber. In den gelben Phiolen brodelt man selbst, verdickt, kondensiert.