»Es ist dir ganz gleichgültig, daß ich mich vor diesen Leuten blamiere?«

»Ich glaube nicht, daß jemand es so auffassen könnte, wenn du bittest, deine Frau zu entschuldigen, sie fühle sich nicht wohl.«

»Einerlei! Ich fasse es so auf. Du weißt, ich bin es nicht gewöhnt, mit mir scherzen zu lassen!«

»Ich war nie weniger zum Scherzen aufgelegt, als jetzt!«

»Dein letztes Wort also: Du weigerst dich, mit mir zu kommen?«

»Ja!«

Wieder spritzten die kleinen, scharfkantigen Kiesel über den Gartenweg. Gleich darauf fiel unten dröhnend eine Thür ins Schloß, und ungestüme rasche Schritte liefen die Treppe empor.

Fräulein Charlotte Hartwig stand immer noch neben dem geöffneten Fenster. Sie hatte Bange gehabt, es zu schließen – wie unsagbar peinlich hätte es der jungen Frau sein müssen, bei diesem Gespräch einen Zeugen zu wissen, und gerade weil Fräulein Charlotte aufgeregt war, hätte sie eine unvorsichtige Bewegung leicht verraten können. Mit einem tiefen Aufatmen trat sie in die Tiefe des Zimmers zurück – da hörte sie schon wieder die laute, herrische Stimme des Mannes in ihrer unmittelbaren Nähe, und jetzt wollte sie lauschen. Sie schlich bis zu ihrer Thür und drückte sie vorsichtig auf.

Jenseits des schmalen Korridors lag das Stübchen, in welchem das Kind mit seiner Wärterin schlief. Auch wenn die leichte Thür, die dort hineinführte, fest verschlossen gewesen wäre, hätte man jedes Wort verstehen können.

»Erna hat geweint, sie will ohne Mama nicht essen!« berichtete Friederike in dem gleichmäßigen, sachlichen Ton, dem man niemals anhörte, ob und für wen sie etwa Partei ergriff.