»Du weißt, Erna, daß Papa kein unartiges Kind duldet. Wirst du auf der Stelle essen?«

Die Kleine fing laut an zu schluchzen.

»Hör' auf zu weinen – augenblicklich!«

Das Schluchzen wurde noch lauter.

»Wirst du auf der Stelle essen?« Das dumpfe Geräusch eines Schlages folgte auf diese Worte.

Das Kinderstimmchen erhob ein lautes, klägliches Geschrei, und die dumpfen Schläge kamen ununterbrochen dazwischen. Fräulein Charlotte fing an zu zittern und trat von der Thür zurück.

Jetzt flog ein leichter Schritt die Treppe herauf – und nun eine bittende, angstvolle Stimme: »Udo, Udo, um Gottes willen, schlage das Kind nicht so!«

Die Mahnung schien nicht zu helfen. Das laute Jammern des Kindes dauerte noch eine Weile fort – jetzt hatte sich das alte Fräulein in die entfernteste Ecke ihres Zimmers geflüchtet und hielt sich mit den flachen Händen die Ohren zu.

Endlich und endlich Stille. Dann das Knarren der Treppe unter den festen Männertritten – unten das Zuwerfen der Hausthür. Die unfreiwillige Lauscherin richtete sich auf und sah sich im Zimmer um, als ob sie geträumt habe; darauf schlich sie vorsichtig zum Fenster und hakte es ein.