»Ich kann nicht meine Worte wägen jetzt! Laß mir den Weg frei!«
»Du wünschest wirklich, daß ich irgend einen plumpen dörflichen Bader zur Konsultation heranziehe und ihn »Herr Kollege« nenne?«
»Ich wünsche« – Melittas Stimme klang fest und kalt, obgleich die junge Frau am ganzen Körper zu zittern begann – »daß du deine persönlichen Ansichten und deine Eitelkeit bei dieser Gelegenheit ganz aus dem Spiel läßt und nur an die Sache denkst, um die es sich handelt: um das Leben des Kindes! Ich wünsche, daß du dein mir heilig und teuer gegebenes Wort hältst, in jedem dringenden Krankheitsfall einen approbierten Arzt um Rat zu fragen!«
»Soll ich aus deiner Betonung des approbierten Arztes vielleicht entnehmen, daß du es mir zum Vorwurf machst, mich nicht dem Humbug eines Examens unterworfen zu haben?«
»Entnimm daraus, was du willst, aber halte dein Wort!«
»Traust du mir und meinem Wissen nicht zu, einen Fall wie diesen zu übersehen?«
»Es handelt sich nicht um dein Wissen, sondern um meine Angst als Mutter und um dein mir gegebenes Versprechen. Haltet ihr Männer euch nur untereinander euer Ehrenwort – und den Frauen gegenüber brecht ihr es, wenn es euch so besser paßt?«
»Melitta, das ist eine schwere Beleidigung!«
»Beweise mir das später – laß mich zur Thür!«
Sie wollte an ihm vorüber – er faßte sie bei beiden Handgelenken und hielt sie gewaltsam fest.