Da stand der Mensch, der große Gaben hatte und eine kleine Kraft, der viele Kräfte hatte und eine matte Hand, und es packte ihn wieder sein alter verfluchter Zweifel. Der Zauber der schummrigen Küche, des Feuers im Herd, des Feuers im Herzen sank herab.

»Geh mit mir durchs Steintor und dann kehr um«, sagte Fritzchen. Sie wollte noch nicht Papa und Gisela und tausenderlei Geschwätz da mit hinein haben, aber sie wollte durchs Steintor mit ihm gehen, wie schon einmal.

Sie war in einem schottischen Kleid mit einem hellgrauen Tüchelchen um die Schultern. So lief sie oft, wenn sie es eilig hatte, vom Schloß ins Dorf. Ihr Gesicht war so schön in seiner Freiheit und Kühnheit wie je, ihr Mund so weich, ihre Stimme so ganz voll von Klang – aber es berückte ihn nicht mehr. Er erschrak vor sich selbst, als er das leise pressende Gefühl von Überlast und Abwehr in sich empfand.

Wenn er aber jetzt nicht wollte noch mochte wie sie, so war er ihr doch kein ebenbürtiger Gegner. Was sollte er ihr sagen, daß er sie nicht ans Steintor bringen wollte? Was sollte er ihr dafür anführen, daß sie ihn noch nicht – oder gar nicht – Du nennen dürfe?

Es war schon einmal so, daß ich mich verspielte – dachte er in dumpfer Not. Bin ich denn ein Narr, so wollte ich lieber ein ganzer sein, dem seine Narrheit süß bleibt bis ans Ende.

»So wollen wir gehen«, sagte er.

Fritzchen fühlte seine plötzliche Verstimmung, die sie sich nicht erklären konnte. Sie wollte ihn fragen, aber es war ein eisiger und abweisender Ausdruck in seinem Gesicht, der ihr jählings die ganze Furcht und Scheu ihrer Kinderzeit zurückbrachte. Sie lachte selbst darüber. »Wie bin ich dumm!« Leicht schüttelte sie das dunkle Grauen von sich ab und fing an, ihm zu erzählen, wie sie heute früh über die weißen Schneefelder gelaufen war und am See gestanden hatte, mit Leda.

Sie sagte nicht, daß dies ihre Brautfeier gewesen sei, aber er fühlte es.

Trotzdem – denn das lächerliche Menschenherz hat immer neue Schutzmittel für sich selbst und das liebe Wohl bereit – empfand er dafür kein quälendes Mitleid mit ihr, sondern eher eine Art Unwillen und Haß gegen ihre frohe, stolze, klare Sicherheit.

Hinter ihnen knirschte der Schnee, an einem hervorspringenden Stein klang es, das Schnauben eines Pferdes ertönte. Es war ein Reiter, der auf der Mitte der Fahrstraße in raschem Tempo dahersetzte. Sie traten beiseite, ihn vorüber zu lassen, da war er auch schon vom Pferde.