Da steht sie in der Tür. Wie ist sie blaß geworden in dieser einen schlimmen Nacht!
»Gregor«, sagte sie leise, »ich suche Dich.« Es war ein krankes, bittendes Lächeln um ihren Mund, das machte sie für ihn noch schöner, als sie je zuvor in ihrer lachenden Kraft gewesen war.
Er stand ihr gegenüber – ihr Sklave.
»Nein!! Es kommt die Reue!« rief er jählings so wild, daß sie zusammenschrak. Er hatte es nur sich sagen wollen, nun hatte er es auch ihr gesagt.
»Die Reue?« fragte sie zitternd und bange.
»Du bist ein Kind und weißt nichts von mir und Dir!« rief er in demselben wilden, starken Tone. »Geh hinaus von hier, geh! Es kommt nichts wie Unglück hierbei heraus. Ich weiß das, ich wußte das immer, aber ich hatte es in einer törichten Stunde vergessen.«
Damit war sein hoher, starker Ton erschöpft. Er sah, wie sie fahl bleich geworden war. Sie bot einen solchen Anblick, daß er glaubte, sie werde im nächsten Moment umsinken. Er eilte herbei, ihr einen Stuhl zu geben.
»Nein, danke«, sagte sie, stützte sich aber doch auf die Lehne und sah ihn mit den Augen an, die übergroß in dem blassen Gesichtchen standen.
»Du hast mich also nicht lieb?« fragte sie in einem seltsam hohen, wie fragend klingenden Tonfall.
Er spielte jetzt wahrlich nicht. Es war eine Schmerzüberwindung, wie dieser Mensch sie in seinem ganzen bisherigen Leben noch nicht vollbracht hatte. Er gab der Wahrheit, die über Ja und Nein steht, die Ehre und sagte hart und stark wie klingender Stahl: