Er hörte es nicht mehr, der Ziehende. Aber er war es doch, der in seiner dunklen Sterbestunde den vier Menschen, die ihn umstanden, eine große, starke Gnade gab. Noch nie war in diesem Sohn der Kirche das Herz so heiß, so voll und groß geworden, noch nie hatte es, den Eispanzer sprengend, in so starken Tönen sein dumpfes Ringen und seine helle Erkenntnis, sein dunkles Glauben und seine herrliche Anbetung so unbekümmert und ohne Zurückhaltung verschwenderisch ausgeströmt.

Zum ersten Male in seinem Leben war er von sich selber frei.

Dies war die größte Stunde seines Lebens, zu der hinein keine Verleugnung, von der hinaus keine Reue führte.

Um ihn herum aber stand das Leben wie mit angehaltenem Atem. Sie fühlten alle, ob groß, ob gering, ob armselig, ob in der Fülle des eigenen Reichtums erbebend, die Schauer der Ewigkeit.

Fritzchen war vom Bettrand hinunter leise, halb unbewußt, in die Knie gesunken. Ihr Kopf lag auf der Bettdecke.

Ja – wohl hielt ihr Leben den Atem an. Wo war er geblieben, ihr Spielgott, ihr Katechismusgott, mit dem sie haderte und dem sie an den Fingern seine Fehler herzählte? Gegen den sie ausschlug und andere arme Seelen zur Rebellion anstachelte? Dieser Vertreter einer menschlichen Mächtigkeit, von den Grenzen menschlicher Gesetze umzogen, der Verantwortung und Abrechnung unterworfen?

Schauer der Ewigkeit. – Gehen Dir die Augen auf, Kind der Erde?

»Tod, wo ist Dein Stachel? Hölle, wo ist Dein Sieg?«

Die Worte waren verklungen. Noch mischte sich kaum in das Schwarz vor den Fenstern der graue Schein des Dezembermorgens. Still brannte die Lampe. Still war das Leben hier im Raum.

Zu gleicher Zeit richteten sie sich beide auf und sahen einander an. Sie waren keine armen Menschen mehr, keine wirren und heißen Kämpfer um Mein und Dein, um Du und Ich, all die Angst und das Grauen und die schreckliche Not lag hinter ihnen. Als zwei erlöste Geister grüßten sie sich.