»Ja«, entgegnete er. »Aber es war ein Mißverständnis von ihm.«

Ein feines, brennendes Rot überzog ihr Gesicht, als sie mit großer Überwindung, und doch getrieben von ihrer Begier, nicht außen zu stehen, fragte: »Ist es – Gregor, Du mußt diese Frage verstehen – handelt es sich um die jüngste Dörfflin hierbei?«

»Ja, Mama«, sagte Gregor ruhig.

Sie wollte noch Tausendfaches fragen, aber sie wußte nicht wie, und sie blieb stumm. Das hatte sie jetzt gelernt in ihrer schweren Zeit.

Abgerissene Fäden hielt sie in der Hand. Auch der Hans, dessen Liebe und fröhlicher Gegenwart sie so sicher, fast gleichgültig sicher gewesen war, hatte den seinen abgerissen. Der Mann, ihr Gatte, der ihr ganz zugehört hatte, war tot. Wo war all der Besitz hin, in dem man einst wie in einem blühenden Ährenfeld stand?

Sehnsucht nach Hans – das war jetzt wohl noch das einzige, was Sinn und Lebenszweck hatte. Diese Tränen brannten wenigstens das Herz nicht aus. Sie suchte die Erinnerungen an Hans zusammen, die Kinderbildchen und ähnlichen Kram. Sie saß stundenlang und grübelte, um sich seine Worte, Handlungen, Bewegungen ins Gedächtnis zurückzurufen und konnte es kaum fassen, wie verschwenderisch sie früher gewesen war.

* * *

Gisela v. Dörfflin gab es nicht mehr. Dafür eine junge Frau Schultze auf Gut Böllingen. Der Papa hatte seinem Sohn das Gut und auch die Zuckerfabrik überlassen und war mit Frau und Tochter zu einem seiner anderen Fabriketablissements übergesiedelt. Nun konnte das junge Paar nach einer oberitalienischen Hochzeitsreise »in ungestörtem Zusammensein seine Flitterwochen verleben.«

Süße Zeit. Gisela fand sie auch süß genug. Ach, man mag die Seele aufspannen, wie man will, die sieben fetten Jahre nach den sieben mageren Jahren sind doch nicht nur ein Tand, den man sich ohne Zucken vom Ärmel schütteln kann. Fritzchen weiß so etwas noch nicht, es liegt auch zum großen Teil an ihrer mangelnden Weltbildung.

Reisen – reisen! wohin man will, immer in die besten Hotels, immer an gebückten Kellnerhäuptern vorüber. Kunstschätze, Naturschätze sehen, ohne auch nur an das Geld denken zu brauchen. Einkaufen nach Belieben und mehr als man beliebt, so beflissen kommt Leopold jedem Wunsch zuvor. Die ganze Welt in ihrer Schönheit steht plötzlich offen. Liebe Seele, es ist doch noch eine große Frage, ob Dein Handel so schlecht war und ob der Einsatz nicht reichlich den Gewinn lohnte!