Eine feine alte Dame, die wieder in einem verwaisten Haushalt das Zepter führte, sagte bei Tisch, als man begeistert von Frida v. Dörfflin und ihren Büchern sprach, ganz ruhig: »Das habe ich schon längst gewußt!« und bildete sich so viel darauf ein wie alle Leute, die etwas, »schon längst« gewußt haben. Am Ende aber kam es so weit, daß sie auch einen Umzug machen konnte und zu ihrem Fritzchen als treue und parteiisch verblendete Mutter ging.

Sie nannte es Du, wie sie es seither in allen ihren Gedankengesprächen genannt hatte, und sagte zu ihm: »Es ist hohe Zeit, daß jemand nach Dir sieht!« Damit meinte sie noch etwas ganz Besonderes.

In der ersten Zeit versuchte sie es auch noch mit Predigen: »Du bist ein phantastischer Narr! Steht Dir nicht die Welt, da sie am schönsten ist, weit offen? Du hast starke und feine Menschen zu Freunden. Was kostet es Dich, dies fließende, ziehende Leben voll schöner Bilder festzuhalten und es zu einem einzigen mächtigen Bilde zu verdichten, indem es in den Rahmen des Weibtums, des Muttertums eingeschlossen wird?«

Fritzchen sagte nicht viel dazu, führte keine Dispute, sich zu verteidigen und andere Leute zu überzeugen. Sie sah nur aus so wundersam erstaunten Augen auf diese Darlegungen. Da wurde plötzlich Frau v. Pohle ganz von selbst nachdenklich. Es kam ihr ein Wort in den Sinn, das ließ sie nicht los.

»Du hörest sein Sausen wohl, aber Du weißt nicht, von wannen er kommt und wohin er fährt.«

Ihr wildes Fritzchen war am Ende auch so ein Bote Gottes über den Feldern. Dem kann man wohl nicht die üblichen Straßen und Wege zeigen, der geht, wie er gehen muß. Vielleicht war ihre arme junge Liebe, so traurig und kümmerlich sie aussah, doch zu groß und stark und mächtig gewesen, als daß ihre Kraft jemals sterben oder durch eine neue ersetzt werden konnte.

Ach ja, man soll nur aufhören, alle Leute mit einem Maß zu messen. Der liebe Gott spricht doch zu einem jeden in einer besonderen Sprache.

Noch einmal in ihrem Leben sah Fritzchen die Felder von Hohen-Leucken und das Moor wieder, und das hochgelegene Herrenhaus, das durch die Bäume blickte. Sie kam von einem Besuch bei Gisela und ging allein über das Feld.

Ihr Bruder, der Wind, ging über die Stätte. Da breitete sie die Arme aus, als wollte sie ihn umfangen.

»Der Friede Gottes, der höher ist, als alle Vernunft!«