Da wachte der junge Menschengeist auf, der Winters über unter einem Bann weltentrückter Träumerei gestanden hatte. Da sah er, wo er war und wo sein Weg im Leben lief.

Er konnte nicht Frau v. Leisewitz dienen, und der großen stummen Macht seiner Tage, der Königin Phantasie.

Fritzchen fühlte sanft und reuig gegen die wütige alte Dame. Die war so hilflos und war so gründlich mit ihr hereingefallen! Als es an das Gehaltauszahlen kam, erschrak sie fast über die Hunderte, die sich vor ihr aufbauten. Sie wollte nicht so viel, das war ja wie ein Hohn auf ihre verträumte Lässigkeit. Frau v. Leisewitz fand dies verspätete Sträuben geschmacklos. Herr v. Leisewitz-Deechow bekam einen Brief seiner Cousine und konnte sich zum zweiten Male in der Dörfflinschen Sache verlegen den Kopf krauen.

Fritzchen blieb in Berlin, mietete sich eine kleine hochgelegene Stube, packte ihre Sächelchen in die verquollene Kommode, die nie ganz zuging, schlief sich aus und fand sich dann allein mit ihrer rätselhaften Gefährtin.

* * *

Flatternde Vögel flogen aus der kleinen Schreibstube und setzten sich den Leuten auf die Köpfe, auf die Hände und auf die Herzen. An manchem flogen sie auch vorbei, ohne daß er sich umsah. Das waren die Träume, Gedanken und Gestalten von Fritzchen v. Dörfflin, die unter Wolken und Winden aufgewachsen und durch ein starkes Leben und ein starkes Sterben mitten hindurchgegangen war.

Es waren gewißlich viele, an denen die Vögel vorbeiflogen und denen sich das Umsehen danach nicht lohnte. Was lag ihnen an Wolken und Winden und dem alten Sang von Tod und Auferstehung?

Aber es gab viele verlorene Wanderer im Erdenleben, die froh und bang ihre Straße zogen, denen flog plötzlich so ein freier Vogel auf die Hand. Sie sahen ihn an und sagten: »Dich kenne ich doch schon lange und wußte nur nicht, wie Du heißest.«

Aus diesen Leuten kam allmählich Fritzchens neue Welt zusammen.

Eines Tages nahm sie ihre Sachen wieder aus der verquollenen Kommode heraus und zog in ein anderes Haus, und als ein paar Jahre vorüber waren, wußten es eine ganze Menge Leute, daß der kleine Märchenfritz ein heißes, stolzes Künstlerblut in sich hatte.