»Vielleicht hättest Du noch besser treffen sollen, mein wilder Hans!« dachte er.

Dann wandte er sich und ging in entgegengesetzter Richtung davon.

* * *

Vor Zeiten gab es einmal eine verqualmte Herrenstube in einem windverlorenen alten Haus. Da saß ein rotes, rundes, schläfriges Gesicht und blinzelte verstohlen seine junge Gefährtin an. Jetzt ist kein Qualm in der Stube, auch kein rotes Junkergesicht, und der wilde Wind kann hier nicht herein. Aber Frida v. Dörfflin hört ihn doch, wie er über das Moor pfeift, und weiß, was er ihr zu sagen hat.

O Du webende, wogende, wallende Phantasie! Bist Du noch dieselbe, die in der Turmstube mit am Fenster stand, als die Wolken gingen? Zeige Dein Gesicht!

Die Frage kommt zurück: Bist denn Du noch dieselbe, Du Ungestüm?

Das wird ein wunderbares Wiedersehen! Sie sind ja beide miteinander gegangen, denselben, steilen, schaurigen, mächtigen Weg, ohne sich anzusehen. Jetzt stehen sie staunend: Wie bist Du anders und doch so bekannt!

Die Finger werden steif vor Kälte hier in der schlechten kleinen Stube, und der Kopf tut weh vor Müdigkeit. Aber das kommt alles kaum zum Bewußtsein. Ja, das hat sich der alte Junker auch wohl kaum gedacht, daß sein Fritzchen so verfroren und müde vom Dienst über denselben wunderlichen Schreibereien sitzen würde, die ihn einst ungerechterweise gegen Fräulein Miller aufbrachten.

Als der Winter zu Ende ging, war es mit Fridas überlasteten Körperkräften auch am Rande. Sie fiel am hellen Tage vor Erschöpfung fast in Ohnmacht. Sie war mager geworden, und ihre Kopfschmerzen quälten sie. Schon die letzten vierzehn Tage über hatte sie abends sogleich zu Bett gehen müssen, ob es ihr gleich schwerer fiel als die sauerste Arbeit.

Frau v. Leisewitz war halbblind und hörte nur durch andere Leute, daß ihre Gesellschafterin sehr elend aussähe. Das ärgerte sie. Es ärgerte sie auch, daß Fritzchen vergeßlich und langsam geworden war, es ärgerte sie mit Recht wegen des hohen Gehaltes. Sie ließ sich über diese Dinge aus in einem bissigen Ton.