»Ich weiß«, sagte er bedrückt, »ich war wohl zu laut –?«
»Es geht bald zu Ende mit unserem Vater. Wir müssen ihn allein haben. Wollen Sie jetzt fahren, Herr v. Dörfflin? Sie haben ja Abschied genommen.«
»Allein haben –. Ja, Ihr seid die Glücklichen –« murmelte der verstörte Mensch. Aber das schmale kühle Gesicht vor ihm bewegte sich nicht.
»Herr Gregor, lassen Sie mich hier!« flehte er plötzlich außer sich. »Ich geh nicht mehr hinein, ich mache auch keinen Lärm. Lassen Sie mich hier an der Tür sitzen, ich werde mich nicht rühren. Und wenn, können Sie mich ja noch immer fortschicken. Herr Gregor, ich habe Ihren Vater über alles lieb gehabt, schon ehe ein Mensch an Sie dachte, und auch ehe er Ihre Frau Mutter kannte, die nun den größten Platz und das größte Recht bei ihm hat. Ich red' ja nichts davon, ich bin ja schuld, aber lassen Sie mich hier. Sehen Sie, seinen Hund lassen Sie ja auch hier. Tell – kennst Du mich noch? Wahrhaftig, Herr Gregor, er kennt mich noch! Sehen Sie, ich bin hier doch nicht so ganz ohne jedes Recht.«
»Wie Sie es wünschen, Herr v. Dörfflin«, sagte Gregor v. Zülchow, holte ihm einen Stuhl, ging in das Nebenzimmer hinein und machte die Tür hinter sich zu.
Der Mann und der Hund saßen miteinander noch sechzehn Stunden, ohne daß sich jemand um die beiden kümmerte oder auch nur durch das Zimmer kam. Sie saßen auf der Schwelle und hörten den harten Todeskampf des Mannes, der ihnen beiden der Liebste war.
Am anderen Vormittag um neun war es vorüber. Unter den Dienstboten, die hereingeführt wurden, war auch Herr v. Dörfflin. Aber er kehrte nach dem ersten Blick auf das wachsbleiche Gesicht in der Tür schon wieder um, liebkoste noch einmal den braunen Kopf von Tell, seinem Leidensgefährten dieser Nacht, ging in den Stall, sattelte sich selbst sein Pferd und ritt zurück, den einst so wohl vertrauten Weg.
Was er in dieser Nacht gewonnen hatte, war ein starker Ekel an den Lüsten dieses Lebens und rechts und links am Kopfe ein Büschel grauer Haare.
* * *
Das kleine Fritzchen hat einst geweint, daß »die Jungens« nicht wieder kamen. Nun sind sie plötzlich wieder da, aber es sind jetzt wohl keine Jungens mehr.