Er aber war nicht mehr als ein Baum am Wege. Herrin, Königin in diesem Bilde war sie, die daher kam, sie, die Schwester und Braut des Sturmwinds!

Sie war vorüber, ohne ihn gesehen zu haben!

Wer sieht die Bäume an, wenn er mit den Wolken Haschen spielt? Er stand und sah ihr nach, der Staub flog hinter ihr auf.

* * *

Hans Henning kam zu seiner Mutter, die mit Gregor auf der Veranda saß. Morgen hieß es für beide Söhne wieder scheiden. Hans Henning mußte, Gregor wollte, so war es schon manch liebes Mal gewesen.

Der Abend dämmerte. Der Himmel stand regendrohend über den Bäumen des Gartens, sie raunten leise wie in bangem Vorgefühl. So bange war auch der Baronin zu Mut. Ach, dies immer neue Scheideweh! Und wer hielt des Scheidenden Herz, daß ihr wenigstens das blieb?

Ja, Gregor lieben, das hieß, täglich sterben. Liebte sie diesen Sohn am höchsten auf der Welt, so litt sie auch um ihn am tiefsten. Er rächte unbewußt den anderen, den Übersehenen, den immer matt und halb Geliebten.

Wie war dieses Jüngeren Herz jetzt voll! Stand es nicht auf seiner Stirn geschrieben, auf seinem Mund, seinen Augen, seinen Händen, in jeder Bewegung, die er tat? Aber man hatte keine Zeit, diese Ziffern zu lesen. Es war ja nur Hans!

Die Mutter sprach mit Gregor. Sie tippte an etwas, das auch sie hatte von fern nur läuten hören, ohne daß er ein Wort darüber verloren hatte: an seine Hofprediger-Aussichten.

»Gregor – ist etwas daran? Ist das möglich?«