Der Ton der Frage war scharf und klar. Er klang nach einer Antwort wie die: »Mir fehlt noch Geld, Mutter.« Oder: »Ich brauche noch dies und das, wenn ich in die Garnison zurückkomme.« Aber nimmermehr nach einer so leisen, unbeholfenen Bitte: »Mutter, gib mir Rat. Ich bin Dein dummer, kleiner Junge und weiß nicht, wie ich mein Glück anfassen soll.«

Er war neben sie getreten, auch sie stand auf. Die Luft wehte kühler und schärfer, sie zog fröstelnd ihr leichtes Tuch über den Schultern zusammen. Sie war sehr groß, schlank und von stolzer Haltung wie ihr anderer Sohn.

Als Hans nicht gleich antwortete, sagte sie nervös: »Nun, was gibt's denn? Sprich doch schnell.«

In dem großen Jungen stieg eine jähe Bitterkeit auf. Noch nie hatte er empfunden wie heute, daß seine Mutter eigentlich niemals Zeit für ihn hatte. »Sprich schnell!« Ja, so war es immer gewesen. Ihm war ja auch sonst damit gedient, lang schleppende Auseinandersetzungen waren wahrlich nicht sein Fach.

Heute abend hätten sie vielleicht doch gepaßt. Oder auch nicht. Vielleicht hätten drei Worte es getan, aber davon konnte er im voraus nichts wissen. Doch dazu muß man stillsitzen und Zeit haben. Aber wer hat für ihn Zeit, er ist ja nur der Hans.

»Laß nur, Mama. Es war nichts.«

Sie sah schon wieder von ihm fort. »Kommst Du mit herein, Gregor?« bat sie.

Der kam von der Brüstung der Veranda, wo er in die Blitze gesehen hatte.

»Das Gewitter kommt nicht herauf«, sagte er in einem beruhigenden Tone.

Wen beruhigte er denn? Die Mutter und Hans hatten andere Dinge im Kopf, als ein Gewitter, das kommen könnte. Ach ja, es ist ein wunderlich trauriges Ding um solch einsames Nebeneinander, wo der eine Blitze sieht, der andere aber in den Blitzen ein schönes wildes Kind, oder wo eine arme Seele stumm ihr Leid anschaut, und es nicht verstehen kann. –