Hans Henning sah den beiden nach, wie sie durch die Glastüren gingen. Der helle Schein der Zimmerlampen überströmte sie. Da ging die kurze Bitterkeit in dem Jüngling unter.

Wem gab er denn Schuld, wenn er nur der dumme, lustige, beiseite geschobene Hans war? Wollte er mit dem Bruder hadern, weil er größer war, oder mit der Mutter, weil sie das fühlte und sah?

Such' Dir doch Deine Wege selber, Narr. Wer heißt Dich, noch an der Mutter Schürzenband zu hängen?

Er blieb auf der dunklen Veranda allein. Die Bäume rauschten stärker, Träume umfingen ihn. – Morgen in der Frühe, Du, mein wilder kleiner Vogel, werde ich Dich da fangen können? O, habe nicht Angst, ich will Dein feines Gefieder nicht zerdrücken und verletzen. Wie wir gelacht und fabuliert haben als Kinder, so wollen wir es weiter tun. Weißt Du noch die Schaukel in Eurem Garten, Fritz? Du wolltest ja immer so gerne fliegen. O, Du mein Prinzeßchen, ich könnte die Welt zerschlagen, um sie nach Deinem Gefallen aufzubauen. Und weißt Du noch, wie wir gestern abend die Feuergeister waren? Liebling, kleiner, Deine verbrannten Fingerchen möchte ich wiedersehen!

Sieh mal die Blitze da hinten, wie sie den Himmel aufreißen. Wollen wir hineingehen, Frida? Ach, wie ist das Glück so bange – ich habe es nie gewußt.


»Hans, sage mal, was treibst Du hier draußen! Mama ist schon zu Bett. Seit einer Stunde sitzest Du hier!«

Hans Henning fuhr auf. »Seit seiner Stunde –?«

»Junge, fehlt Dir etwas? Wie Deine Hände heiß sind! Warum kamst Du nicht mit herein?«

»Ich – weiß nicht. Ich habe mich wohl hier verträumt.«