Mir gegenüber war er ganz „Cavalier“. Wir feierten gerade „Kirchweihfest“, und da ich in die Nähe der Musik wollte, bot er mir seinen Arm und tanzte eine Tour mit mir. „Blau steht Dir am allerbesten, wie den meisten Blondinen“, äußerte er, indem sein Blick wohlgefällig mein Tüllkleid streifte. Er schenkte mir ein Lebkuchenherz mit flammender Inschrift: „Aus Liebe“. Papa und der Onkel stießen sich an und wir wurden sehr verlegen. Auguste führte mit dem Verwalter einen Tanz auf, wie ihn die Nilpferde nicht schöner zu Stande gebracht hätten. „Du, mir scheint, da fangt sich was an“, bemerkte Robert altklug.

„Was denn?“

„Kleine Unschuld“ und er lächelte protektorhaft.

**
*

Alle taten sehr geheimnisvoll mit den Vorbereitungen zu meinem Namenstag. Ich lief zu Pauline, um sie auszuforschen: verriegelte Thüren; ich bestürmte Hannerl mit Fragen — sie schüttelte den Kopf und Frau Huber, die Köchin, wollte auch nicht mit der Sprache heraus. „I, i darf nix sagen, sonst könnt’s heißen, daß i eine Tratschen bin.“

„Frau Huber“, in der geöffneten Küchentüre erschien Dons kleine, feiste Gestalt und mit gekrümmtem Zeigefinger neckisch drohend: „Frau Huber, der Herr Baron läßt Sie ersuchen, sich ein wenig zu beeilen, weil er sehr hungrig ist.“

Bei seinem Eintritt schmunzelte die Huberin mit hinreißender Coquetterie. Dieses Gesicht setzte sie jedesmal auf, wenn sie ihren einstigen Verehrer erblickte. Er hatte vor langer Zeit für sie geschwärmt, „o wenn sie ewig grünen bliebe, die Zeit der jungen Liebe“, und erinnerte sich nur noch vague an diese Episode seines Lebens. In fünfundzwanzig Jahren vergißt sich so Manches, namentlich wenn eine Gehirnkrankheit den Gedächtnisapparat geschwächt, wie es beim armen „Don“ der Fall war. Ab und zu erzählte er von seinen Flammen und in diesen Berichten spielte auch die Huberin eine gewisse Rolle. „Zum erstenmal habe ich sie mit einem Einkaufskorb unter dem Arm gesehen und das machte mir gleich einen vorteilhaften Eindruck. Sie sah so nett und appetitlich aus. Ich hob den Deckel auf und sah Rettige und Karfiol, mit einem Worte, lauter gute Sachen“. Später hatten zwei Zwillingsschwestern sein Herz zu neuer Glut entfacht. „Wie die schön und graziös auf dem Trapez turnten, eine Passion, ihnen zuzusehen, und so wohlerzogene, brave Mädchen.“

Er schilderte mit Vorliebe seine Beamtentätigkeit an der Franzjosefsbahn. „Das war ein aufreibendes Leben, diese Verantwortung! Mir stehen noch jetzt die Haare zu Berg, wenn ich daran denke. Mit einem Fuß im Grab und mit dem andern im Criminal. .. Wie damals noch Alles primitiv war und wir uns plagen mußten, bis etwas klappte. Der erste Ball, den wir gaben“ ... und dann stieg er regelmäßig die 4 Treppen zu einer nunmehr berühmten Burgschauspielerin empor und bat sie, das Patronessenamt zu übernehmen. Sie sagte zu, traktierte ihn mit schwarzem Kaffee und war sehr liebenswürdig.

Bisweilen, wenn er Reminiscenzen von anno dazumal auffrischte, erwachte in Großpapa der Concurrenzneid und er ließ es Don bei der Zeitungsvorlesung entgelten.

Don: „Landtagswahl“. Pause.