„Pardon, aber der Vergleich hinkt arg. Die Form besteht, auch ohne Licht — die drei Personen sollen aber unzertrennlich sein, keine älter als die andere. Und nach Mère Walters Auslegung hätte man sie als Großvater, Vater und Enkel zu betrachten.“ Und da er meine Verlegenheit gewahrte. „Suchen wir irgend einen anderen beliebigen Glaubenssatz. Die Unfehlbarkeit des Papstes.“
„Ja. Daran zweifeln Sie auch?“
„Einen Menschen, der nicht dem Irrtum unterworfen ist, gibt es nicht. Christus selbst hatte Momente des Zweifels, der Entmutigung. — Kennen Sie denn die Geschichte der Päpste? — Nein, das dacht’ ich mir. Im Kloster, da zeigt man Ihnen den ganzen kirchlichen Apparat, mit Allem was drum und dran ist, nur von der schönsten Seite. Nicht wahr, man hat Ihnen erzählt, daß die Päpste durchwegs höchst ehrenwerte, tugendhafte Persönlichkeiten waren? Lesen Sie einmal eine unparteiische Schilderung und Sie werden sich vom Gegenteil überzeugen. Hoffahrt, Mißgunst und andere Leidenschaften der niedersten Sorte, sie waren vielen dieser Oberhäupter nur zu wohl bekannt.“
„Sie sind ja auch nicht als „Mensch“ unfehlbar, sondern nur, wenn sie eine Lehre ex catedra verkünden.“
„Wenn sie also heute verkünden, es sei Todsünde, der Kirche die Hälfte seiner Einkünfte zu verweigern?“
„Dann ist es so. Übrigens können sie nie etwas Unrechtes verlangen, da sie der heilige Geist erleuchtet.“
„Aha, und früher haben sie geirrt. Um die Autorität an sich zu reißen, haben sie den heiligen Geist ins Treffen geführt. Sehr klug, sehr schlau erdacht und Sie heißt man das nachreden wie die Papageien. Es ist empörend, wie man Sie als willenloses Werkzeug benützt, Ihre Phantasie mit dem verworrensten unsinnigsten Zeug anfüllt. Sie selber können nichts dafür. Es ist vielleicht sogar Unrecht von mir,“ fügte er milder hinzu, „daß ich den Zwiespalt in Ihre Seele trage — aber dann handle ich auch schlecht, wenn ich dem Blinden das Augenlicht wiedergebe. Wie viel Schönes, wie viel Beglückendes entgeht Ihnen — es ist jammerschade. Da liegen die Schätze aufgespeichert und Sie dürfen nicht zugreifen, weil es Sünde ist. Armes Kind.“ Und da er mein betrübtes Gesicht sah: „Ich wollte Sie nicht kränken; aber wenn ich so bedenke, was bei richtiger Behandlung aus Ihnen werden könnte, — — — sagen Sie, Mimi, Sie haben doch die Überzeugung, daß ich es gut mit Ihnen meine?“
Da, ich weiß nicht wie es kam, hab’ ich seine Hand genommen und mit den Lippen berührt.
„Aber Mimi.“ Er sprach es mit großen staunenden Augen. Sie waren wundervoll, diese Augen, leuchtend und braun.
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