„Du verlangst Unmögliches. Schreiben wir uns.“
„Wozu diesen qualvollen Zustand verlängern?“
Doch ich wußte ihn schließlich zu überreden, und durch Vermittelung meiner Freundin entstand ein reger Briefwechsel.
Es wußte Niemand um die Dauer des Verhältnisses, und eines Tages teilte mir Mama mit, Graf X. habe um mich angehalten. Ich war wie aus den Wolken gefallen, denn ich hatte ihm auch nicht die geringste Beachtung geschenkt und nicht im Entferntesten daran gedacht, daß er sich mit dieser Absicht trage. Zuerst lehnte ich entschieden ab, aber man schürte und arbeitete so lange, bis ich schon der Ruhe halber einwilligte.
Sie nannten mich „vernünftig“, weil ich eingesehen, daß eine Steindorf keine mesalliance machen dürfe.
Willenlos und betäubt, ließ ich den Dingen ihren Lauf. Ich war so ungewohnt, mit Hindernissen zu kämpfen, zudem hatten mich die Aufregungen der letzten Zeit völlig fühllos gemacht. Ich schrieb Hans einen logischen und ziemlich kühlen Brief; doch kaum hatte ich ihn abgesandt, bereute ich meine Handlungsweise und depeschierte ihm: „Brief ungültig; erwarte Sie Morgen Früh“. Nein, zu heucheln verstand ich doch nicht.
Er kam. Wir zogen uns in einen stillen Winkel des Gartens zurück, wir schmiedeten neue Pläne, und er, selig, mich wiederzuhaben, umschlang und küßte mich.
Da plötzlich steht Graf X. vor uns. Er kannte Hans, ohne indessen von unseren Beziehungen zu wissen. Meines Ermessens nach hatte ich dem Grafen erst als angetraute Frau die Treue zu bewahren und gegebenen Falles Rechenschaft abzulegen.
Eine Sekunde starrte er uns sprachlos an. „Da gehen ja schöne Dinge vor sich. Sie werden mir Satisfaktion geben.“
„Ich sehe mich nicht dazu veranlaßt.“