Und dann ging es schnell abwärts. Eine schwere Nierenkrankheit ruinierte diesen mächtigen Körper.
Mali entfaltete in der Leidenszeit ihre besten Eigenschaften, mit aufopfernder Sorgfalt und unermüdlicher Hingabe pflegte sie den Schwerkranken.
Wieder trat ihre seltsame Charaktereigenschaft zutage: hauptsächlich die Leute gut zu behandeln, denen es recht schlecht ging.
Ueber den Ernst der Krankheit war sie sich nie ganz klar; sie jammerte zwar über ihr schweres Los, aber an eine Lebensgefahr dachte sie nicht.
Die Kinder wurden in dieser Zeit etwas vernachlässigt; es blieb wirklich keine Zeit, um sich mit ihnen zu beschäftigen. Alfred wurde aus dem Kadettenkorps, in dem er nur wenige Monate zuvor aufgenommen worden war, zurückgeschickt. Sein störrischer Charakter, sein Mangel an Autoritätsglauben hatten es den Erziehern ratsam erscheinen lassen, ihn aus dem Korps zu entfernen.
Zu Hause zeigte er sich verschlossen und seltsam wie immer, dazu unbotmäßig gegen die Mutter, die ihm ja nie weder Liebe noch Respekt eingeflößt hatte.
Monika, die bis dahin ein sehr herzliches Verhältnis zur Mutter gehabt, in regstem Gedankenaustausch mit ihr gestanden, begann nun geistig eigene Wege zu gehen, schwelgte in Gedankengängen, deren heiße Phantastik ihrer Entwicklung Gefahren bot.
Heinrich wurde noch verschlossener, als er es schon gewesen, und Karl bildete seine hervorragende Begabung fürs Lügen noch weiter aus. Er „schwänzte“ oft mehrmals wöchentlich die Schule, fand immer neue Entschuldigungsgründe dem Lehrer sowie der Mutter gegenüber, und blickte bei seinen haarsträubendsten Lügen mit so taubenhaft unschuldigen Augen und so gleichmäßig rosigen Wangen in die Welt, daß man ihm immer wieder glaubte.
In dieser Atmosphäre von Krankenstubenluft und wirtschaftlichem Rückgang begann eine böse Saat aufzukeimen in den vier jungen Seelen. Zwischen diesem langsam sterbenden Vater, dessen tiefe Apathie mitunter durch aufflackernde Wutanfälle unterbrochen wurde, und der fahrigen Mutter mit den ewig mädchenhaften Bewegungen und dem Mangel an Selbstdisziplin wuchsen diese vier Kinder empor, schossen in Blüte wie Unkraut.
Es war keine Faust über ihnen, die mit sicherem Griff ihr Leben in gebahnte Gleise gelenkt hätte. Sie gingen ihre eigenen Wege. Ihre Wünsche durchsetzend um jeden Preis, begannen sie ihr Leben zu leben einfach und brutal, jung und genußsüchtig...