Es stand schlecht um die Familie.
Mali jammerte von früh bis spät. Was sie aber nicht verhinderte, oft recht glücklich zu sein. Oft trug sie ihr Leichtsinn über Abgründe hinweg, in denen andere schaudernd versinken.
Wohl strengte sie oft ihre Lungen in geradezu übermäßiger Weise an, um ihren Mann an seine Pflicht zu erinnern: „Du mußt aufstehn, Johann. Glaubst Du, Du bekommst eine Stellung, wenn Du jeden Tag bis ein Uhr im Bett liegst?! Du mußt doch für uns sorgen!! Ich laufe immer noch mit dem Kleid vom Frühjahr herum, und Alfred und Heinzemännchen klagen, der Lehrer hätte sie schon zum zweiten Male nach dem Schulgeld gefragt...... O Gott, wie soll das alles noch enden?“
Eine Antwort war ihr auf diese Frage nicht zuteil geworden. Herr von Birken war weniger expansiv als seine Frau. Was er gelitten haben mochte in der ihn demütigenden Rolle des Bittstellers, das wußte niemand. Das Leben, das er führte, hatte ihn bald mürbe gemacht: sein willensschwacher Charakter hielt nicht stand, — sein Charakter verkümmerte wie ein Baum, den man der Heimatserde entrissen.
Dann kam eine Lebensperiode, die Frau Mali als Aufschwung bezeichnete: der Baron Johann von Birken-Sarkow hatte eine Stellung als Sektreisender gefunden. Er war blaß wie Kalk, als er seiner Frau diese Neuigkeit mitteilte. Seine Zähne waren so fest zusammengekrampft, daß sich die Worte nur mit Mühe zwischen ihnen Bahn brachen.
Aber das hatte Frau Mali nicht bemerkt. Sie war ganz begeistert, — eine so berühmte Firma — — ein so reichliches Gehalt! —
Gott sei Dank, nun würden die bösen Tage vorüber sein. Mit der kleinen Rente, die man aus dem Schiffbruch gerettet, ließ es sich doch auch gar zu schlecht leben.
Aber Mali war, wie so oft, zu hoffnungsfreudig gewesen. Ihr Mann, der früher immer ärgerlich jeden solchen „Sektfritzen“ abgewiesen, ohne ihn zu Worte kommen zu lassen, war nicht die geeignete Persönlichkeit, um nun selber die andern zum Kaufen anzuregen.
Die Firma hielt ihn einige Zeit wegen seines klingenden Namens, seiner vornehmen Erscheinung, aber schließlich kam der Tag, an welchem sein Chef ihn darauf aufmerksam machte, daß seine Gesundheit vielleicht diesem Reiseleben nicht gewachsen sei. Herr von Birken bat darauf um seine Entlassung.