Infolge ihrer eminent leichten Auffassungsgabe gehörte sie nach kurzer Zeit zu den besten Schülerinnen, ausgenommen in Mathematik, einer Wissenschaft, von der sie nie auch nur das geringste verstand.

Alles in allem machten ihr diese Kurse sehr viel weniger Eindruck, als sie erwartet. Es war eigentlich wie in der Schule von Fräulein von Zieritz, nur daß man hier mit dem Vatersnamen aufgerufen wurde, statt wie dort mit dem Vornamen, und daß die Schülerinnen hier nicht einheitlichen Alters waren, sondern in den verschiedensten „Jahrgängen“. Und die Damen stammten aus den verschiedensten Milieus.

Neben Fräulein von Roch, der Tochter eines aktiven Generals, mit den korrekten Manieren der preußischen Offizierstochter, saß Olga Iwanowna Safiro, eine Russin von vager Herkunft und recht asiatischem Benehmen.

Neben Frau Kramer, einer Frau mit ergrauenden Schläfenhaaren, die zu Hause zwei halbwüchsige Kinder hatte, saß ein kaum sechzehnjähriges Mädel, das vor wenigen Wochen noch die Schule besucht.

Neben dem abgerissen gekleideten Mädchen, das sich nicht satt aß, um Geld für die Kurse aufzubringen, saß die Tochter eines Kommerzienrats, die einen wahren Juwelierladen zur Schau trug.

Uebrigens waren so ziemlich alle in dieser aus allen Windrichtungen zusammengewehten Schar von ehrlichem Lerneifer erfüllt. Und fast alle waren sie durchdrungen von der Idee, daß nun eine neue Zeit für die Frau hereinbreche.

Vielleicht war Monika die einzige, die das ganze Studieren als eine Art Spiel auffaßte, die die „Mission“ nicht sehr ernst nahm.

Bei vielen der ernst strebenden Mitschülerinnen erregte ihre Art direkt Unwillen, um so mehr, als sie hier, wie auch früher in der Schule, einen ganzen Troß von Verehrerinnen und Anhängerinnen hatte, die jeden ihrer Witze dankbarst belachten.

Ihre erbittertste Feindin war Magda Kirchstett, ein schlankes, brünettes Mädchen von sechsundzwanzig Jahren. Von allen in der Klasse war sie wohl am meisten von der Wichtigkeit dessen, was man hier tat, durchdrungen. Oft hielt sie flammende Agitationsreden.

„Pioniere sind wir einer neuen Kultur, Schrittmacher für die Tausende von anderen, die nach uns kommen werden. Wir alle müssen durchdrungen sein von dem stolzen Gefühl: mit zu den Ersten zu gehören, die sich frei machen von jahrtausendelanger, alter Schmach. Der Mann hat uns schlimmer behandelt, als man Tiere behandelt. Er hat uns körperlich und geistig gemißhandelt und hat uns ausgebeutet in jeder Beziehung, er hat uns rechtlos gemacht, uns tausendfach gekreuzigt!