Aber der neue Morgen bricht an für unser Geschlecht. Noch sind wir wenige, aber mit brennendem Eifer schmieden wir die Waffen, mit denen wir uns befreien werden. Und diese Waffen sind: Fleiß, unermüdliche Arbeitskraft! Lernen müssen wir — Wissen erlangen, um unserem mächtigen Feinde entgegentreten zu können. Waffen brauchen wir! Und die mächtigste Waffe im Kampfe gegen den Mann ist...“

„Das Küssen!“ schrie Monika.

Magda Kirchstett tat den Mund auf, schnappte nach Atem, aber ehe sie diese Lähmung der Entrüstung überwunden, war Monika auf die Bank gestiegen.

„Meine Damen!“ rief sie mit ihrer hellen Kinderstimme, „die besten Waffen im Kampfe gegen den Mann sind die ältesten Waffen — dieselben, die schon unsere verehrten, gänzlich unmodernen und stupiden Großmütter gebraucht haben: ein bißchen schmeicheln — nein! — sehr viel schmeicheln und lieb sein und küssen! Sie sind ja auch nicht so schlimm, die Männer, wie Fräulein Kirchstett glaubt. Es gibt doch viele riesig nette, und es wäre doch gar zu langweilig, wenn es nur Damen auf der Welt gäbe! Jede von Ihnen, die mal einen Damenkaffee mitgemacht hat, wird mir beipflichten. Darum schlage ich Ihnen einen Toast auf die Männer vor. Wir wollen sie leben lassen. Was? Leben lassen — dreimal hoch! Hoch! und zum zweitenmale...“

Die Tür öffnete sich.

Herein schnaufte Professor Hermann, der dicke Mathematiklehrer.

„Was ist denn hier los?“

Monika warf ihm einen koketten Blick zu und sagte kindlich-liebenswürdig:

„Es ist meine Schuld, Herr Professor, ich hatte vor den Damen einige Theorien erörtert, die allgemeinen Anklang fanden.“

Magda Kirchstett stieß einen Zorneslaut aus; auch viele andere schienen lebhaft indigniert.