„Birken ist überhaupt ein riesig netter Kerl,“ rief eine andere.
Frau Kramer sagte melancholisch: „Ihr Loblied auf die Männer war wirklich von keiner Sachkenntnis getrübt, Birken.“
Und im Hintergrunde schrie eine: „Birken ist ein ganz naseweiser Fratz.“
Monika packte ihre Mappe zusammen und sagte: „Kinder, tobt Euch allein aus. Ich gehe mich ein bißchen erholen, in den Tiergarten. Kommt jemand mit? Entschuldigt mich, bitte, bei Professor Mellenthin. Es tut mir sehr leid, die griechische Stunde zu versäumen, aber das Wetter ist zu schön, und im Tiergarten fängt der Flieder schon an zu blühen.“
Kaltblütig ging sie hinaus, während die drinnen wie ein aufgescheuchter Spatzenschwarm durcheinander lärmten.
Monika schlenderte durch den Tiergarten, ließ den Zauber der erblühenden Büsche auf sich wirken, musterte Pferde und Reiter, die vorüberkamen, und dachte über sich selbst nach.
Sie fühlte sich sehr allein. „Ich bin doch eigentlich ein unglückliches Zwittergeschöpf,“ philosophierte sie und pfiff betrübt einen Schmachtwalzer vor sich hin. „Bin ich nun eigentlich ein Kind meiner Zeit? Dieser Zeit, in der die Frau die engumhegten Bahnen verläßt, in denen sie jahrtausendelang gewandelt, in der sie kühn hinausstürmt in die Weite, den Kopf noch ein bißchen benommen von dem grellen Licht, das so plötzlich auf sie einströmt.
Oder wäre ich auch in jedem anderen Zeitalter möglich?
Diese zwei Naturen in mir, die sich gegenseitig bekämpfen... wie sagt doch Doktor Rodenberg? Aphrodite und Pallas vertragen sich schlecht miteinander ...