„Ach, eine Verlobung!“ Frau von Birken war Feuer und Flamme. „Wer es wohl sein mag? Und ob es eine gute Partie ist? Nun, wahrscheinlich doch. Marie als Erbtochter von Sarkow kann Ansprüche machen.“

Die Baronin sprach in den nächsten Tagen nur von dieser Verlobung und erging sich in den verschiedensten Vermutungen.

Ihr Interesse wurde erst abgelenkt, als sie einen Brief ihrer Schwester Kläre empfing. Auch dieser Brief war eine Antwort auf Malis Mitteilung, daß ihre Tochter studieren solle.

Kläre schrieb, sie freue sich, daß nun doch Monikas bessere Instinkte zum Durchbruch kämen. Das Studium würde ein unübertreffliches Mittel sein, um Monikas Hang zum Leichtsinn entgegenzuarbeiten.

Was ihre eigene Tochter Bertha anbeträfe, so sei es für die nun auch höchste Zeit, sich auf das Abiturienten-Examen vorzubereiten, und zwar in ernsthafterer Weise als bisher. Der Unterricht durch den Vater zeitigte leider nicht die Früchte, die man berechtigt gewesen wäre, zu erwarten. Und so sähe sie sich denn genötigt, Bertha nach Berlin zu schicken, wo dieselbe auch den Gymnasialkursen von Fräulein Doktor Stark eingereiht werden solle. Sie hoffe dringend, daß sich Berthas Charakter dort von Grund auf ändere. Leider sei sie einstweilen ein durchaus unmodernes Mädchen, interessiere sich mehr für den Haushalt als für die Wissenschaft. Natürlich aber werde sie — Kläre — ihren Mutterpflichten getreulich nachkommen und es zu verhindern wissen, daß Bertha ein Schablonendasein führe.

„Ach, Berthchen kommt zu uns,“ rief Frau von Birken, indem sie plötzlich die Lektüre des Briefes unterbrach. „Wie nett! Bertha ist ein reizendes Mädchen. Ich muß doch gleich mal sehen, ob das gelbe Fremdenbettstell in Ordnung ist. Martha, schnell den Schlüssel zum Boden.“

„Rege Dich gar nicht erst auf, Mamachen,“ sagte Monika, die den von ihrer Mutter achtlos weggeschleuderten Brief inzwischen zu Ende gelesen. „Bertha kommt nicht zu uns.“

„Ach, warum denn nicht?“

„Hier steht es: sie kommt zum Bruder ihres Vaters, dem Professor Reckling.“