Frau von Birken fand die Gedichte teilweise sehr schön, aber furchtbar unpassend — ein junges Mädchen dürfe überhaupt keine Liebesgedichte machen.
Und Heinzemännchen rang die Hände und beschwor Monika, über den Frühling zu dichten und über den Sommer, oder über den Herbst, oder über den Winter — andere Themata seien für Lyrik unmöglich.
Monika aber faßte eines Tages einen kühnen Entschluß: sie wollte der Welt die Proben ihres Talentes nicht länger vorenthalten.
Und — die Kunstgeschichtsstunde schwänzend — begab sie sich eines Tages mit ängstlichem Herzklopfen in die Redaktion des „Leuchtturms“, einer neu erscheinenden Zeitschrift, in der sich junge Lyriker verschiedener Schattierungen tummelten.
Der „Leuchtturm“ war kein phantastisch prunkender Bau, wie Monika ihn sich vorgestellt. Drei Zimmer im Parterre eines Berliner Hinterhauses bildeten den Leuchtturm. Der Kontorist, der im Vorraum zum Allerheiligsten auf einem Drehschemel saß und trübsinnig vor sich hinstarrte, wurde durch Monikas Eintritt angenehm gestört. Eine so junge Dame hatte er in diesen Räumen noch nicht gesehen.
„Ist der Herr Redakteur zu sprechen?“
„Doktor Waldmann kommt erst in einer Stunde.“
„Ach, so lange kann ich nicht warten: wollen Sie ihm, bitte, dieses geben...“
Monika legte hastig ein Kuvert auf den Tisch.
„Steht Ihr Name und Ihre Adresse auch drin?“ fragte der Kontorist.