Dann kam es wohl vor, daß Monika sich in einem maßlosen Wutausbruch auf der Erde wand und sich die Haare raufte; lange ließ Frau von Birken ihre Tochter nicht in dieser Verfassung; sie besänftigte sie in den zärtlichsten Schmeicheltönen:
„Monchen, ich bitte Dich, das war ja nicht so ernst gemeint — natürlich gehen wir hin! Und ich schenke Dir mein blaues Emaille-Medaillon mit den kleinen Brillanten. Beruhige Dich doch bloß, Liebling. Wir gehen ja zu dem Balle. Ja, gewiß...“
Und Monika, noch Tränen in den Augen, lächelte matt und glücklich wie eine Rekonvaleszentin.
So trieb Monikas ungezähmter Wille weiter seine wuchernden Triebe, von keines verständigen Gärtners Hand gepflegt, bald gezaust und bald gestreichelt von Mutterhänden, die unverständiger waren, als es manche Kinderhände sind.
Und man ging zum Balle...
Und wenn man nach Hause kam, lag Monika mit schlagenden Pulsen schlaflos im Bett mit wirrem Hirn und irritierten Nerven.
Wohl hatte ihr der Ball all die Freude gebracht, die sie von ihm erwartet. Aber es war ein Augenblicksrausch gewesen; beim Nachdenken hielt er nicht stand. Was war’s denn auch schließlich: ein bißchen Musik und Licht und gute Tänzer...
In diesem unbefriedigten Dasein, das ihr weder Ziel noch Zweck zu haben schien, glaubte sie dann plötzlich einen Leitstern zu entdecken: die Kunst! Mit glühender Begeisterung dichtete sie. Die Worte, die Verse strömten ihr zu mit einer Leichtigkeit, über die sie selbst verwundert war. Oft war ihr, als sei es gar nicht sie selbst, die das alles dächte, sondern als schwebe über ihr ein Unsichtbarer, der ihr ins Ohr sprach, was sie schreiben sollte. Alles war dann wie verändert: die Teppiche, auf denen sie ging, waren weicher als sonst, die Bäume auf der Straße waren riesenhaft gewachsen — die eine Rose, die in einem Glase vor ihr stand, war ein Rosenfeld von Millionen Blüten.
Sie war dann selig. Selig bis in die Fingerspitzen hinein. So lange, bis sie begeisterungsbebend ihrer Mutter und Heinzemännchen die Verse vorlas.