„Auch Honorar?“ Ihre Begeisterung erreichte jetzt den höchstmöglichen Grad.
„Bitte, schicken Sie mir gar nichts,“ sagte sie stotternd. „Ich komme es mir gelegentlich selbst abholen.“
„Soll mich freuen. Zwischen vier und sechs Uhr finden Sie mich meistens hier.“
Ein Händedruck, und sie eilte fort.
Kaum war sie zu Hause angelangt, als sie ihr sorgsam gehütetes Geheimnis verkündete.
Ihre Mutter war eine Beute der widerstrebendsten Empfindungen. Einerseits fand sie es maßlos unpassend, daß Monika allein auf eine Redaktion gegangen, andererseits imponierte ihr die Tatsache, daß ihre Tochter wirklich „gedruckt werden sollte“, kolossal. Hatte doch Frau von Birken mit vierzehn Manuskripten vergebens darum gekämpft.
Monikas Brüder erklärten die Neuigkeit für Schwindel: „Monika will bloß bemänteln, daß sie über eine Stunde zu spät aus dem Kursus kommt.“
Aber der nächste Leuchtturm brachte tatsächlich die „Libellen“, und Monika stürzte daraufhin in die Redaktion, allwo sie fünfzehn Mark Honorar empfing. Sie benutzte sie schleunigst dazu, sich lauter Sachen anzuschaffen, die ihr verboten waren: eine Schachtel Zigaretten, den neuen Roman eines naturalistischen Schriftstellers und eine Flasche Chypre-Parfum.
Sie hatte auf der Redaktion wieder ihren Namen nicht genannt und tat es auch weiterhin nicht. Sie versäumte jetzt manchmal ein oder zwei Stunden in den Gymnasialkursen, war während dieser Zeit heimlich auf der Redaktion des Leuchtturms; da war immer der eine oder andere Zeichner, Schriftsteller oder Redakteur, mit dem sie aufs angeregteste plauderte.