„Mein Gott, Mali, Du wirst schon wieder romantisch. Was soll das vorstellen: ‚glühend liebt‘? Ich habe meinen Mann, als wir verlobt waren, auch nicht glühend geliebt, und wir führen die harmonischste Ehe, die man sich vorstellen kann. Ich finde: ein Mädchen aus unseren Kreisen hat überhaupt nicht glühend zu lieben! Wirst Du Dir denn Deine Romantik nie abgewöhnen, Mali?“

„Ich hoffe, nein!“ sagte die Baronin stolz. „Ich bin froh, daß ich meine jugendliche Begeisterung habe, und ein echtes Gemüt bleibt ewig jung!“ —

Was Begeisterung anbetraf, so entfaltete Frau von Birken ein vollgemessenes Quantum in den nächsten Tagen; sie fand alles begeisternd: die Theatervorstellungen, die Einkäufe und Bestellungen, alles...

Die Einkäufe waren übrigens ein Zankapfel zwischen Marie und ihrer Mutter. Frau von Holtz versuchte — autoritativ wie immer — ihren ganz persönlichen Geschmack zur Geltung zu bringen, und Marie fand mitunter ein scharfes Wort: „Schließlich, ich soll doch die Sachen haben und nicht Du, Mama. Da ist doch mein Geschmack eigentlich wichtiger.“

Frau von Holtz klagte dann über die schreckliche, neue Zeit, in der die Töchter gar nicht mehr den richtigen Respekt entfalteten und sich anmaßten, eigene Meinungen zu haben. Hatte sie selbst einst ihrer Mutter Vorschriften zu machen gewagt, als diese ihr die Aussteuer gekauft? Mit ehrfurchtsvollem Danke hatte sie alles entgegengenommen — und dabei sei der gelbe Salon mehr als unpraktisch ausgesucht gewesen!

Auch Monika fand Maries Benehmen als Braut zu tadeln.

„Ich würde mich anders benehmen, wenn ich verlobt wäre,“ sagte sie zu ihrer Mutter. „Der Marie merkt man gar nicht an, daß sie glücklich ist. Ich glaube, die paßt gar nicht für die Ehe!“

„Was, die Marie soll nicht für die Ehe passen?“ entrüstete sich Frau von Birken, „so ein reizendes Mädchen! Und die schönen Handarbeiten, die sie macht, und kocht tadellos; sogar Früchte einkochen kann sie ganz allein.“

Am tiefsten berührt von der ganzen Verlobung war unstreitig Bertha, die das Brautpaar bei Birkens kennen gelernt hatte: sie fand Monika gegenüber nicht Worte genug, um Maries Glück zu rühmen.