„Welche Sache?“

„Ach...“ Monika zögerte verlegen.

„Na, sag’s doch. Ist es denn so schlimm, daß Du es gar nicht erzählen kannst?“

„Ach, ich kann’s schon erzählen. Also, weißt Du, Doktor Dörnberg ist unser Geschichtslehrer. Und ich liebe ihn wahnsinnig. Erstens ist er bildschön... aber ich sage Dir: wirklich bildschön!... Und dann spricht er hinreißend! Also: ich hatte drei Gedichte an ihn gemacht, und die lagen in meinem Vokabelheft. Da hat sie Mama gefunden — Mama stöbert immer alles durch — und hat es mit Heinzemännchen besprochen, und beide waren so außer sich und haben so auf mich gescholten, bis ich vor lauter Empörung Weinkrämpfe bekommen habe. Und ich habe Mama meine Meinung gesagt: daß es gefühlsroh ist, meine Gedichte Heinzemännchen zu zeigen. Als ob Jungens davon was verstehen!“

„Was waren’s denn für Gedichte?“

„Na, Liebesgedichte.“

„Sag’ mal eins.“

Monika warf einen zweifelnden Blick auf ihre Cousine. Sie kämpfte augenscheinlich mit sich. Dann aber gewann ihr offenes, mitteilungsbedürftiges Naturell die Oberhand. Sie begann zu sprechen mit einer andächtigen Innigkeit, die ihre frische Kinderstimme ganz verwandelt erscheinen ließ:

„Du Schönster mit den blauen Siegeraugen,