Sie war in ihrer Tochter Wohnzimmer gekommen, um ihr eine eben eingetroffene Auswahlsendung von weißen Seidenstoffen zu zeigen.
Da fand sie Marie mit dem Oberkörper auf der Tischplatte liegend, die Hände vor die Augen gepreßt. Ein krampfhaftes Weinen ließ die schmalen Schultern erzittern.
„Marie!“
Das tränenüberströmte Gesicht hob sich empor:
„Mama, laß mich Dir sagen, ich will Wilhelm nicht heiraten, ich will nicht.“
„Was? — Was ist denn? — Warum...“
„Ich liebe ihn nicht.“
„Liebstes Kind, das kommt in der Ehe. Vernunftheiraten werden immer die glücklichsten Ehen.“
„Mama, ich will nicht heiraten, noch nicht! Es ist langweilig hier so allein mit Euch, aber ich will gern hierbleiben, tausendmal lieber hierbleiben, als mit einem fremden Manne fortgehen. Er ist mir ja so fremd! In meinem Innern spricht nichts für ihn. Und nun soll ich Tag und Nacht mit einem Fremden sein, soll ihm mein ganzes Leben schenken...“