Frau von Holtz war erblaßt vor Erregung.
„Ich erkenne Dich nicht mehr wieder, Marie. Du wirst hysterisch. Was ist das nur auf einmal? Dich hat niemand zu der Verlobung gezwungen!“
„Nein, gezwungen nicht. Nur zugeredet habt Ihr mir. Und ich war zuerst ja ganz einverstanden. Aber jetzt, wo der Hochzeitstag näher und näher rückt, habe ich mich zu der Ueberzeugung durchgerungen: Ich kann ihn nicht heiraten!“
„Marie, besinne Dich auf Dich selbst! Du kannst doch jetzt Deinen Entschluß nicht ändern. Du hast Wilhelm Dein Wort gegeben — Du kannst ihm das nicht antun, Dein Wort zu brechen, so ohne jede Ursache, ohne jeden Grund! — Und wie stehst Du nachher da? Ein Mädchen, dessen Verlobung zurückgeht, wird immer scheel angesehen. Nein, was würden die Leute nur sagen, jetzt, wo schon die ganze Aussteuer fast fertig ist!“
„Ich will nicht,“ schluchzte Marie, „ich will nicht.“
Und die Mutter redete weiter, abwechselnd drohend und bittend; sie wendete ihre ganze Kraft auf, um das, was sie als eine nervöse Laune ihrer Tochter empfand, zu besiegen; sie bat und beschwor, drohte und befahl.
Dann schwieg sie erschöpft und starrte angstvoll auf Marie, die immer noch das Gesicht in den Händen verbarg.
Und endlich hob die Tochter das Haupt.
Und mit einem Zucken ihrer schmalen Schultern, dieser Bewegung, die sie immer machte, wenn der Mutter Willen den ihren besiegte, sagte sie müde:
„Also ja — ich werde mein Wort halten. Aber vergiß diese Stunde hier nicht... vergiß sie nie, Mama...“