Und sie las weiter: „India green turtle meat,“ so heiß, daß sie nicht mehr wohltat, sondern zerstörte, dort war sie ein vernichtend flammender Feuerball in einem unerhört blauen Himmel, schüttete Strahlengarben über das Land voll Prunk und Schmutz — über die schmalgliedrigen dunkeln Hindus mit den schmachtenden, sanften Augen — über die stolzen, blonden Engländer, die hier die Herren waren. Und das geknechtete und mißhandelte Land war doch so oft stärker als sie, gab ihnen heimlich und böse lächelnd die Keime von Fieber, von Pest und Tod. —
Und weiter: „Truffes de Périgord“. Monikas Näschen schnupperte, als fühle sie den unvergleichlichen Duft der schwarzen Erdfrucht.
„Trüffeln“ bedeutete ihr förmlich ein Programm. Pikante Würze mit einem lockenden Dufthauch darüber. —
Und „Périgord“, Frankreichs lachende Gefilde. Graue Edelschlösser auf sanften Hügelabhängen, umwogt von einem Meer von Blütenbäumen. — Und drinnen im Schloß ein Liebeshof — schöne Ritter und schöne Damen in Gold und Seide, zur feierlichen Beratung versammelt über der Liebe wichtige Fragen.
Ueber alle herrschend die schöne Frau des Hauses, deren Urteil sich alle beugen, Edeldamen und Troubadours! Und der Troubadours Bester kam ihr in den Sinn, Bertrand de Born, „der mit einem Lied entflammte — Périgord und Ventadorn ...“
Der hochmütige Troubadour, der, ein Siegerlächeln um die blutroten, üppigen Lippen, sich gerühmt, „daß ihm nie mehr als die Hälfte — seines Geistes nötig sei!“
O dieser Mann, der Sieger, strotzend von Kräften des Körpers und des Geistes wie ein Blütenbaum im Mai, ein Meister des Liedes, ein Gewaltiger der Sprache, der Männergehirne und Mädchenherzen mit süßen und bitteren Worten lockte und bezwang...
Dieser Gedanke fand in Monika eine so starke Resonanz, daß sie ziemlich abwesend über einige Seiten hinweglas, die sie sonst mit Entzücken erfüllt haben würden.
Die Preisverzeichnisse von Konfektionsgeschäften, von Wäschefirmen waren kaum weniger dazu angetan, ihr ein schwelgerisches Genießen zu verschaffen.