Bei den Hemdeinsätzen aus Brüsseler und Brügger Spitzen dachte sie an die belgische Spitzenfabrikation, sah kleine flandrische Städtchen, saubere Häuschen mit blitzblanken Spiegelscheiben, den „Spion“ am Fenster — das Glockenspiel klingt vom Beffroi.

Im Beginenkloster des toten Brügge klöppelten blasse Nonnenhände die zarten Gebilde aus dünnen Fäden. — Und es gab Spitzen, die wurden in Kellern gearbeitet, die Luft mußte feucht sein, damit beim tausendfältigen, kunstvollen Durcheinanderwirren der Faden nicht brach, der — dünn wie Spinnengewebe — durch die Hände der bleichsüchtig armseligen Mädchen lief, welche Stunde um Stunde klöppelten, ohne aufzusehen. Die Mädchen hatten gewiß so kraftlos ausgesehen wie Kellerblumen; mit blutlosen Fingern hatten sie die Spitzen gearbeitet, die dazu bestimmt waren, die Wäsche und die Kleider leichtsinniger Schönen zu zieren, die bunt und glänzend wie Paradiesvögel oder Pfauen durchs Leben geschritten.

Und dann die Verzeichnisse der Parfumfabriken. Die waren vielleicht doch das Schönste von allen. Ach, das Duften, das berauschende Duften, das aus des Büchelchens Seiten stieg.

„White rose“ — herb und süß. Kaum erschlossene Rosenkelche, mondlichtüberflutet in einem Park von Englands Schlössern. — Eine blonde Herzogin, die sich aus dem Festgewühl hinabschleicht in den Park, der feucht ist vom Tau der Nacht. — Und nach einer kleinen Weile verschwindet droben aus dem lichter- und gästeerfüllten Saale ein schlanker Kavalier. Die weißen Rosen duften so süß. —

Und dann „Chypre“. Aufreizend und schwül, der Duft für eine Frau, die launisch ist und süß und grausam wie die Göttin der Insel Cypern selbst.

„Ambra“! Der Orient wird lebendig, das Gewühl der Märkte und Basare, die wollüstigen und blutdürstigen Geschichten der tausend Nächte und der einen Nacht. Ueppige Prinzessinnen, die schönen Gesichter schleierverhüllt, schlanke Wüstensöhne, die starben aus Liebe.

„Goldregen“ und „Flieder“, „Ylang-Ylang“ und „Coeur de Jeannette“, „Cuire de Russie“ und „Tuberosen“ — alles wurde eine Geschichte. —

Ganz geistesabwesend sah Monika dann aus, wenn man zu ihr sprach, wenn ihre Mutter wieder einmal sagte:

„Nimm Dir doch endlich was Vernünftiges vor! Wie kann man sich nur in solch langweilige Kataloge vertiefen?“